Bierdosenklau führt ins Gefängnis

44-Jähriger bedient sich beim Discounter – Auf der Flucht rangelt er mit Filialleiterin

Von Isabel Hansen Erstellt: 23. August 2019, 00:00 Uhr

Pforzheim. Für den Diebstahl von Bierdosen und Schokoriegeln im Wert von 5,51 Euro und einen rabiaten Fluchtversuch muss ein 44-Jähriger ins Gefängnis. Das Schöffengericht in Pforzheim verurteilte den unverbesserlichen Dieb am Donnerstag zu einem zehnmonatigen Gefängnisaufenthalt – drei Monate mehr als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Am 7. Mai 2019 war es mal wieder so weit: Der Angeklagte hatte sich in einem Pforzheimer Discounter fünf Dosen Bier und zwei Schokoriegel eingesteckt. Nach eigenen Angaben war der 44-Jährige ehemals süchtig nach Heroin und Wodka, jetzt nimmt im Rahmen eines Substitutionsprogrammes Methadon und trinkt Bier. Vielleicht hat er sich deshalb bei dem Diebstahl nicht allzu clever angestellt und ist nicht nur von einer Angestellten, sondern auch von der Video-Überwachung beobachtet worden. Die Filialleiterin passte den Mann schließlich am Ausgang ab, nachdem er nur eine Bierdose mit Pfandbon und Münzen bezahlt hatte, hielt ihn fest und ließ auch nicht los, als der Angeklagte sie vehement abschütteln wollte. „Er hat sich gewehrt wie der Teufel. Er wusste wohl, was ihm droht, wenn er ertappt wird. Das Bier schien ihm in dem Moment egal zu sein“, erinnerte sich die Filialleiterin im Zeugenstand. Im Gerangel gewann die normal große, sehr schlanke Frau die Oberhand, brachte den Mann zu Boden, holte sich dabei aber Blutergüsse und Schrammen. Was länger nachhallt als die Verletzungen ist die Angst, die sie mit psychologischer Hilfe zu verarbeiten versucht.

Es war nicht das erste Mal, dass der Angeklagte im Discounter zuschlug. „Das ist der Wahnsinn“, kommentierte Richter Udo Pawlischta das Vorstrafenregister des 44-Jährigen mit 32 Einträgen. Seit dem Jahr 2000 – kurz nach der Einreise des in Moskau geborenen Mannes – addieren sich ausländerrechtliche Vergehen, Leistungserschleichung, Diebstahl, Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Beamte zu einem Sammelsurium an meist kleinen Delikten. „Viele Taten sind aus der Not geboren. Mal hat er eine Wurstdose geklaut, ein anderes Mal fehlte Geld für die Fahrkarte zum Arzt“, verweist Verteidiger Mathias Bürckle auf die traurige Finanzlage des Angeklagten, der mit sogenannter Duldung in Deutschland lebt. Da er Tagessätze von einem bis fünf Euro aus früheren Verurteilungen nicht bezahlen kann, hat er seine Geldstrafen bisher ersatzweise im Gefängnis abgesessen.

Verteidiger Bürckle plädierte für seinen Mandanten auf eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, die mit der Untersuchungshaft, in welcher der Angeklagte sich wegen Fluchtgefahr befindet, verrechnet werden könnte. Staatsanwalt Johannes Junghans forderte sieben Monate.

Das Schöffengericht setzte ein Signal und verurteilte den Angeklagten wegen Diebstahl, vorsätzlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Dabei wogen Flucht und Gegenwehr schwerer als der Diebstahl: „Sie hätten sich auch stellen können. Sie haben gezeigt, dass Sie die Unversehrtheit ihrer Mitmenschen nicht achten“, sagte Richter Pawlischta. Eine Bewährungsstrafe stand nicht zur Debatte. „Es fehlt Ihnen am Therapie-Willen. Möglichkeiten hätte es genügend gegeben.“

„Wie soll es weitergehen? Kann man Ihnen überhaupt helfen? Welche Träume haben Sie für Ihr Leben? Haben Sie noch Träume?“, hatte der Richter den Angeklagten gefragt. Er bekam keine Antwort.

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