Gemeinden appellieren an die Vernunft

Die Gemeinden Zaberfeld und Pfaffenhofen rufen dazu auf, aus Platzgründen auf den Besuch ihrer Badeseen zu verzichten. Bei zu starkem Andrang werden die Seen geschlossen. Für Badetouristen aus der Region wäre das unerfreulich, doch es gibt Alternativen.

Von Sina Willimek Erstellt: 3. August 2020, 00:00 Uhr
Gemeinden appellieren an die Vernunft Der Samstag an der Ehemtsklinge: Viele Besucher wollen sich wegen der Hitze eine Abkühlung verschaffen. Droht bald eine Schließung des Sees wegen Überfüllung? Fotograf: 7aktuell.de/Reeh

Enzkreis. Eine Übertragung des Coronavirus durch das Baden im gleichen Wasser gilt als äußerst unwahrscheinlich. Gemeinden mit Badeseen stehen unterdessen vor einer ganz anderen Herausforderung: „Das Phänomen der überlaufenen Badeseen erleben wir gerade deutschlandweit. Das Wetter ist prädestiniert für einen Tag am See“, stellt die Geschäftsführerin Tourismus Kraichgau-Stromberg, Christina Lennhof, fest. So raten die Gemeinden Zaberfeld und Pfaffenhofen von einem Besuch ihrer Badeseen Ehmetsklinge und Katzenbachsee ab, weil sie aufgrund des großen Andrangs eine Unterschreitung des Abstands befürchtet hatten (unsere Zeitung hat berichtet). Sollten die Besucherzahlen hoch bleiben, teilten die Gemeinden mit, werde die Schließung der beiden Seen mittels Allgemeinverfügung veranlasst.

Ob es tatsächlich zu einer Schließung der Ehmetsklinge kommen muss, kann Diana Kunz, Bürgermeisterin der Gemeinde Zaberfeld, noch nicht absehen. „Momentan ist eine Schließung nicht angedacht“, klärt die Gemeindechefin auf. Sollten Abstandsregeln unterschritten werden – was bislang noch nicht der Fall gewesen sei –, werde die Gemeinde eingreifen und den See sperren. „Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage an den folgenden Wochenenden entwickelt.“ Kontrollieren werde das der Sicherheitsdienst vor Ort. Noch besteht also Hoffnung für das Badevergnügen in den Seen, die auch Besucher aus dem Enzkreis anziehen.

„Freibäder haben Besucherbeschränkungen, was an einem See wie der Ehmetsklinge nur schwer umzusetzen ist. Hier kann man nur an die Vernunft der Badegäste appellieren, damit die Badeseen in der Region nicht geschlossen werden müssen“, sagt Christina Lennhof. „Hier ist Rücksichtnahme gefordert und verantwortliches Handeln. Das heißt in dem Fall, zu akzeptieren, dass ein voller Parkplatz bedeutet, dass die Kapazität des Sees erschöpft ist.“ Auch die Verantwortlichen würden alles tun, um eine Schließung der Seen zu verhindern, und bei Unterschreitungen der Abstandsregeln auch eingreifen, so die Geschäftsführerin. „Mit geschlossenen Badeseen ist keinem geholfen – aber vielleicht ist das die einzige Konsequenz. Da stehen auch die Kommunen in der entsprechenden Verantwortung.“

Eine Schließung könne damit auch aus der Perspektive des Tourismus durchaus gerechtfertigt sein – vorausgesetzt, Abstände würden unterschritten: „Wenn alle aktuellen Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen, über Bord geworfen werden, braucht es Konsequenzen. Das ist am Ballermann nicht anders als an den Badeseen im eigenen Land.“

Dass eine mögliche Schließung der Ehmetsklinge einen großen Einschnitt in den Tourismus bedeuten könnte, befürchtet die Zaberfelder Bürgermeistern nicht. Auch bei einer Schließung, begründet Kunz, hätten Besucher weiterhin die Möglichkeit, sich am See aufzuhalten und beispielsweise spazieren zu gehen. Nur das Baden sei dann nicht mehr möglich.

Eine beliebte Anlaufstelle für eine Abkühlung im Sommer ist auch der Tiefe See in Maulbronn. Martin Gerst, Leiter des Ordnungsamtes, rechnet mit Beginn der Sommerferien mit einer stärkeren Frequentierung des Sees. Bauchschmerzen bereite ihm die Lage jedoch nicht. Zwar sei der Badesee inzwischen als frei zugänglicher See ohne Überwachung im Sinne von Zugangskontrollen gestaltet, aber „der Badebetrieb lief bisher geregelt“, so Gerst. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Zustände bekommen, die etwa bei der Ehmetsklinge bestehen.“ Kontrollen vor Ort seitens des Vollzugsdienstes werde es in Maulbronn nach wie vor geben.

Wie auch die Gemeinden Zaberfeld und Pfaffenhofen in einer gemeinsamen Pressemitteilung verkündet haben, kann die Nutzung der Freibäder eine Alternative sein. Müssen die sich nun auf einen größeren Andrang einstellen? Zumindest, so das Stimmungsbild in der Region, ist die Einhaltung von Abstand in den Bädern kein Problem. In Knittlingen, wo das Freibad erst seit Mitte Juli wieder geöffnet hat, sorgen regelmäßige Kontrollmaßnahmen dafür, dass die Badegäste sich nicht zu nahe kommen, erklärt Bauamtsleiter Kai Uwe Lang. Einziges Manko: Ist die Obergrenze von 200 Badegästen erreicht, was vor wenigen Tagen erstmals der Fall gewesen sei, müssen die Besucher Schlange stehen. Markierungen auf dem Boden zeigen dann den Mindestabstand auf. Da Bäder benachbarter Orte teils geschlossen hätten, könne die Stadt Knittlingen gerade zu Beginn der Ferien einen erhöhten Andrang nicht ausschließen. Angesichts der Umstände sei die Öffnung unter diesen Bedingungen allerdings die einzig machbare Lösung für das Knittlinger Bad gewesen, erklärt Lang. „Ich denke, es ist aus Sicht der Besucher trotzdem eine tolle Sache, dass die Möglichkeit zum Schwimmen besteht. Unser Dank gilt der Vernunft der Badegäste.“ Kritische Stimmen habe es bislang nur wenige gegeben.

Im Mühlacker Freibad läuft der Betrieb schon seit längerem wieder an. Hier ist die Schwimmdauer begrenzt, Tickets werden im Voraus online erworben. „Es läuft“, kommentiert Bäder-Betriebsleiter Andreas Pfisterer den Betrieb. „Das ist schon mal das Wichtigste. Unter den Umständen würde ich sogar sagen, dass es im Freibad Mühlacker sehr gut läuft.“ Die Regeln würden dort gut angenommen und befolgt. Bei Nichteinhaltung greife das Personal ein und weise die Gäste darauf hin. „Das Feedback der Gäste: kaum Kritik und viel Lob für Personal und Organisation“, berichtet der Mühlacker Bäderchef von der Stimmung unter den Badegästen.

Wer überlaufene Seen und zu wenig Abstand befürchtet, für den kann das Schwimmbad also durchaus eine Alternative sein. Abschließend noch ein Tipp von Tourismus-Expertin Lennhof: Auch ganz abseits vom Schwimmen biete die Region zahlreiche Möglichkeiten für Touristen, darunter viele Wander- und Fahrradwege. Auf der Nagold oder der Enz gebe es Wassersportmöglichkeiten wie Paddelboote. Und manchmal tut es auch schon ein einfaches Picknick mit den Lieben.

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