Vier Kandidaten für den einen OB-Posten in Bretten

Spannung bei der Wahl in Bretten – Amtsinhaber Martin Wolf muss die Angriffe von drei Herausforderern abwehren

Von Frank Goertz Erstellt: 25. Oktober 2017, 00:01 Uhr
Vier Kandidaten für den einen OB-Posten in Bretten Vier Kandidaten für den einen OB-Posten in Bretten

Am 12. November haben die Brettener die Wahl, wer ihr Oberbürgermeister werden soll. Anders als in Mühlacker, wo es unlängst ein „Solo für Schneider“ gab, hat Martin Wolf, der eine zweite Amtszeit in der Melanchthonstadt anstrebt, gleich drei Herausforderer.

Bretten. Mittlerweile ist der Wahlkampf voll entbrannt, und die vier Kandidaten haben sich bereits die ersten Scharmützel geliefert. Eine Nagelprobe steht Martin Wolf am kommenden Donnerstag, 26. Oktober, bevor. Dann lädt die Stadt ab 19 Uhr zur öffentlichen Kandidatenvorstellung ins Hallensportzentrum „Im Grüner“ ein. Bereits bei einer Podiumsdiskussion der Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU) in der vergangenen Woche hatten die drei Gegenkandidaten den Amtsinhaber heftig attackiert.

Erster Herausforderer, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, ist Aaron Treut, CDU-Gemeinderat und Ortsvorsteher im Stadtteil Ruit. Kaum war die Bewerbungsfrist angelaufen, schon hatte sich der 41-Jährige auf den Weg zum Rathaus gemacht, um kurz nach Mitternacht seine Bewerbung in den Briefkasten zu werfen. Dort traf er auf Martin Wolf, der ebenfalls keine unnötige Zeit verstreichen lassen wollte. Im Dunkeln warfen Wolf und Treut gemeinsam ihre Unterlagen in den Briefkasten. Allerdings kann nur einer oben auf dem Wahlzettel stehen. Und hier fiel das Los in der Sitzung des Gemeindewahlausschusses auf den Amtsinhaber.

Als Dritter auf dem Wahlzettel steht Heinz-Peter Schwertges aus Ubstadt-Weiher, der vom Brettener Ortsverband der Linken in seinen Ambitionen unterstützt wird. Mit Kandidaturen und Wahlkampf kennt sich der 57-jährige Landschaftsgärtner bestens aus. 1980 war er Gründungsmitglied der Grünen und machte in seiner alten Heimat Düsseldorf Wahlkampf mit Joseph Beuys und Otto Schily. Danach engagierte sich Schwertges lange in der Friedensbewegung, bevor er sich 1991 der PDS, eine der Vorgängerparteien der „Linken“, anschloss. Mehrfach kandidierte er anschließend für „Die Linke“ bei Landtags- und Bundestagswahlen in den Wahlkreisen Bretten und Karlsruhe-Land.

Während in Bretten gleich vier Kandidaten zur OB-Wahl bereitstehen, war es in Mühlacker nur Amtsinhaber Frank Schneider. Lesen Sie mehr dazu.

Andreas Leiling sorgt dafür, dass aus dem ungleichen Trio Wolf-Treut-Schwertges bei der OB-Wahl ein Quartett wird. Der 55-jährige Projektentwickler aus Ubstadt-Weiher hat ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen. Er sei „kein Verwaltungsexperte“, räumt Leiling ein, was ihn aber nicht daran hindere, wichtige Projekte für Bretten voranzutreiben. An Erfahrung mangelt es ihm dabei nicht. Unter anderem hat Leiling für den Europark Rust gearbeitet, 300 Fernsehproduktionen des SWR betreut, das SWR 3 „New Pop Festival“ und den „Space Park Bremen“ konzipiert. Im Wahlkampf präsentiert sich Leiling als „Macher“, der vor allem in Sachen Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Akzente setzen will.

Trotz der starken Konkurrenz plagen Amtsinhaber Martin Wolf keine Alpträumen oder Selbstzweifel. „Ich gehe davon aus, dass es weitergeht und ich die Geschicke der Stadt Bretten weiter gestalten kann“, wird der 60-Jährige in den Brettener Neuesten Nachrichten zitiert. „Erfahren, engagiert, verlässlich“, wirbt der parteilose Oberbürgermeister für Kontinuität auf dem Chefsessel im Rathaus und verweist auf die Erfolge der vergangenen acht Jahre. Unter anderem darauf, dass der Schuldenberg von knapp 33 Millionen Euro im Jahr 2010 auf jetzt nur noch 17 Millionen Euro abgetragen wurde. Ansonsten setzt Wolf auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Stadt, etwa mit einem Verkehrskonzept und Verbesserungen beim Hochwasserschutz. Außerdem kann sich Wolf eine neue Stadtbücherei auf dem Sporgassengelände vorstellen.

Trotzdem sieht sich der amtierende Oberbürgermeister den Vorwürfen ausgesetzt, dass „Bretten vor sich hindümpelt und nicht fit für die Zukunft“ sei (Treut) oder dass „der Amtsschimmel so langsam trabt, dass er schon Schimmel ansetzt“ (Schwertges), beziehungsweise, dass es kein „städtebauliches Leitbild und stattdessen nur Einzelentscheidungen“ gebe (Leiling). Die Herausforderer von Wolf versuchen derzeit im Wahlkampf, ihre eigenen Akzente zu setzen, wobei Aaron Treut und Andreas Leiling nicht zuletzt die Karte Wirtschaftsförderung, Verkehr und Stadtentwicklung ziehen, während Schwertges sich vor allem als Anwalt der „Normalbevölkerung“ sieht und deshalb ein verstärktes Engagement der Stadt im sozialen Wohnungsbau und ein kostenloses Schülerticket für die Brettener Schulen fordert. Gleichzeitig lenkt der aktive Marathonläufer den Blick auf die ökologische Komponente und will eine weitere Zersiedelung der Landschaft vermeiden.

Wolf, Treut, Schwertges oder Leiling – am 12. November haben rund 23 000 Brettener die Qual der Wahl. Sollte keiner der Bewerber die absolute Mehrheit auf sich vereinen, findet am Sonntag, 3. Dezember der zweite Wahlhang statt, bei dem eine einfache Mehrheit reicht.

Frank Goertz

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