Ein Labyrinth, das in den Himmel wächst

Der Irrgarten aus Mais beim Milchhof der Familie Lämmle-Hofmann in Oberderdingen ist auch für große Besucher ein Erlebnis

Von Susanne Roth Erstellt: 9. August 2019, 00:00 Uhr
Ein Labyrinth, das in den Himmel wächst Der Kleinste voraus: Robin traut sich, dicht gefolgt von Paul Luis und der Familie. Foto: Roth

Abenteurer können sich in Oberderdingen noch bis Ende September durch einen dichten Dschungel kämpfen – das vier Kilometer lange Maislabyrinth, bei dem der Weg nach draußen das Ziel ist.

Oberderdingen. Wenn da nicht die Rufe wären, man könnte fast in eine Art Grün-Trance fallen. Überall heuschreckengrüne, saftige Stängel mit ebenso saftigen großen Blättern daran. Der Himmel ist nur mit ein paar milchig-blauen Zipfeln zu erahnen, der lehmige Boden verschluckt jeden Schritt. Und auf einmal endet der Weg. Sackgasse. Nächster Versuch. Das scheint kein Ende zu nehmen. Überall Grün, Grün, Grün. Bevor aber Gedanken an ein Buschmesser aufkommen, steht auf einmal ein Schild am Weg: Notausgang steht da. Ein Pfeil führt in eine Richtung. Und tatsächlich steht man auf einmal außerhalb des riesigen Maisfeldes, das einem die Orientierung geraubt hat. Und man sieht ihn, den „rettenden“ Milchhof der Familie Lämmle-Hofmann in Oberderdingen – zwischen Gochsheim und Flehingen gelegen. Mitten im Nirgendwo. Denn nur dort lässt sich diese nette Spinnerei mit dem Maislabyrinth verwirklichen.

2,4 Hektar, da kann man sich schon austoben. Mais wird sowieso angepflanzt, warum also nicht ein Labyrinth aussäen? Es ist mittlerweile der achte Irrgarten, wie Steffen Hofmann (26), ältester Sohn der Bauernfamilie Lämmle-Hofmann, sagt. Davor gab es mal ein Pferd oder auch das Hof-Logo. „Aber das war zu einfach. War ja eigentlich kein Labyrinth, eher ein Weg.“ Das kann man von der neuen Anlage wahrlich nicht mehr behaupten. Wer die kompliziert verschachtelten Rätsellabyrinthe kennt, der weiß, was ihn neben dem Milchhof erwartet. Sieht nach einer Schweinearbeit aus. Ist es auch. „Mein Schwager Denis Trenkle hat das mit dem Millimeterblock vorgezeichnet.“ Wie lange er dafür gebraucht hat, das weiß Hofmann nicht. Und dann ging es auf die Fläche.

Nichts da GPS und dann einfach mit der Sense hinterher, die gleich die Maiskörner in die Erde setzt. Denis Trenkle ging mit dem Plan in der Hand voraus, Steffen Hofmann und der Landarbeiter Michael mit den Körnern hinterher. „Dann hat es aber stark geregnet“, sagt Michael Hofmann. Und damit verrutschten die Körner, und die Arbeit begann von vorn. Drei Nachmittage brauchte das Trio an Zeit dafür.

Doch dann wuchs das Labyrinth sozusagen von ganz allein in den Himmel. Jetzt hat es eine Höhe von drei Metern, dem Regen sei Dank. Weil es jetzt wiederum schon Rückmeldungen gab, dass die Angelegenheit doch ziemlich kompliziert sei, hat die Familie noch ein Kinderlabyrinth angelegt, das einfacher ist. Und es wurden vier Notausgänge eingebaut, damit die Besucher nicht auf die Idee kommen, das Feld aus Panik oder Frust niederzutrampeln.

Den Notausgang haben Melina (8) und Paul Luis (8) aus Mühlacker nicht benötigt. Sie tauchen nach knapp einer Stunde im Irrgarten wieder zwischen raschelnden Blättern am Ausgang auf. Und sitzen damit schon lange in der Sonne, als ihre Eltern dann auch dazustoßen. Vier Kilometer Fußweg sind es laut Steffen Hofmann, wenn man alle vier Stationen besucht und sein Kärtchen farbig markiert.

Nein, Tiger habe es keine im Mais, auch sonst nichts, sagt Melina. „Nur Grün und Braun“ sei es da drinnen. Spaß hat ihr der Besuch trotzdem gemacht. Zudem warten auf die Kinder, die an diesem Nachmittag zuhauf einen Weg durch das wohl komplizierteste Labyrinth dieser Art im ganzen Kraichgau suchen, noch weitere Entdeckungen. Der Stall mit den Milchkühen beispielsweise steht offen, die Hühner gackern in der Nähe.

Für den dreijährigen Jannik, der mit seiner Mutter Ulrike Maurer aus Flehingen gekommen ist, verliert das Maislabyrinth aber angesichts des riesigen Treckers, auf dem er mitfahren darf, sofort an Reiz. „Gestern war eine Familie da, die hat dann mehr oder weniger den ganzen Tag hier verbracht. Ich hatte zwar zu tun, aber nehme mir gern die Zeit“, sagt Steffen Hofmann. Denn darauf kommt es ihm an: Ziel sei es, „die Leute aus dem Wohnzimmer zu ziehen“, um ihnen die Landwirtschaft zu zeigen. Damit die Kinder auch wüssten, wie eine Kuh muht.

Das Maislabyrinth beim Milchhof in Oberderdingen liegt an der Landesstraße 554 zwischen Gochsheim und Flehingen und ist durch die Beschilderung gut zu finden. Geöffnet hat die Attraktion jeden Tag von 8 bis 20 Uhr bis Ende September beziehungsweise Anfang Oktober. Am 10. und 24. August sowie am 14. September sind Gruselnächte geplant, die um 20.30 Uhr beginnen und bei denen Überraschungen im Maisfeld versteckt sind. Eine Anmeldung über Facebook ist notwendig, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist.

 

 

Info

Maislabyrinth in Eutingen

 

Nicht nur in Oberderdingen, auch in Eutingen gibt es ein Labyrinth aus Mais. Es befindet sich 200 Meter westlich von der Straße „Auf der Höhe 67“ und hat noch bis zum 8. September, jeweils samstags und sonntags, 11 bis 19 Uhr, geöffnet. Geboten werden unter anderem ein wöchentlich wechselndes Rahmenprogramm und eine Strohhüpfburg. (pm)

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