Corona: Schüler des Seminars in Maulbronn sind wieder zu Hause

Der Präsenzunterricht hat gerade begonnen, und schon müssen Schulen wegen Corona wieder schließen. Die Infektionsfälle an einem Brettener Gymnasium und im Evangelischen Seminar in Maulbronn zeigen, wie schwierig „Normalität“ in Zeiten der Pandemie ist.

Von Maik Disselhoff Erstellt: 1. Juli 2020, 00:00 Uhr
Corona: Schüler des Seminars in Maulbronn sind wieder zu Hause Wegen Corona geschlossen: Schüler der Maulbronner Klosterschule werden wegen eines bestätigten Infektionsfalls unter Seminaristen derzeit getestet und müssen zu Hause bleiben. Foto: Fotomoment

Enzkreis. Kurz nach der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts ist es auch schon wieder vorbei. Die Schülerinnen und Schüler des Brettener Edith-Stein-Gymnasiums und des Evangelischen Seminars in Maulbronn sind wieder zu Hause. Wann sie in ihre Klassenzimmer zurückkehren können, steht aktuell noch nicht genau fest. Alles hängt von der Zahl der Infizierten ab. Tests laufen an beiden Schulen.

Wie schnell sich die Krankheit in einer Region verbreiten kann, zeigt sich am Beispiel der beiden Schulen. Ein an Covid-19 erkrankter Schüler des Brettener Gymnasiums, der das Virus zunächst unentdeckt in sich trug, hatte Kontakt zu Schülern des Evangelischen Seminars in Maulbronn. Er steckte eine Seminaristin an. Die Schulleitung des Maulbronner Gymnasiums mit Internat reagierte schnell und informierte bereits die Eltern am vergangenen Samstag über die geplante Schulschließung ab Montag. Bis einschließlich 10. Juli bleiben die Pforten des Seminars geschlossen.

„Wenn die Tests zeigen, dass es weitere Fälle gibt, werden wir die Lage mit dem Gesundheitsamt und dem Regierungspräsidium neu beraten. Dann könnte die Schulschließung auch noch länger andauern“, erklärt der Schulleiter des Seminars, Gerhard Keitel. Das Gesundheitsamt habe allen Schülern einen Test angeboten, so Keitel, der mit der raschen Schließung seiner Schule mögliche Infektionsketten durchbrechen will. Unterrichtet werden in der Klosterschule die Klassenstufen 9 bis 12. Jetzt findet in Maulbronn wieder Fernunterricht statt.

Das funktioniere sehr gut, sagt Keitel. Man setze zur Kommunikation einen Messenger-Dienst ein, mit dem man auch Daten verschicken könne, die Schüler nutzten zudem die Lernplattform „Moodle“ des Landes, und die Lehrenden böten immer wieder auch Video-Unterricht an. „Jeder Schüler wird einmal pro Woche telefonisch von uns kontaktiert, im Bedarfsfall auch häufiger. Es ist uns sehr wichtig, den Kontakt zu halten“, betont Keitel.

In Fernunterricht und möglichen Wissensdefiziten sieht der 50-Jährige nicht das Problem. Der Lockdown von Schulen sei vor allem für die Schüler „hochschwierig“. Es fehlten die sozialen Kontakte, die Gemeinschaft, sagt Keitel, der davon überzeugt ist, dass die Situation viele Schüler mehr belaste, als sie es nach außen zeigten. „Deshalb bleiben wir an unseren Schülern dran und rufen sie regelmäßig an.“ Durch das Auftreten von Covid-19 haben sich folgende Veränderungen am Seminar ergeben: „Das mündliche Abitur haben wir um eine halbe Woche nach hinten verschoben. Es beginnt nun am 22. Juli, außerdem kann unsere Aufnahmeprüfung, das Landexamen, nicht wie gewohnt mit Übernachtung stattfinden. Wir werden es in komprimierter Form an einem Tag durchführen.“ Es gehe darum, Infektionsrisiken zu minimieren, macht der Schulleiter klar.

Die Gefahr, dass Schulen wegen Corona geschlossen werden müssen, wird bis auf weiteres ein Problem für Schüler, Eltern und Lehrer bleiben. „Wir fahren auf Sicht“, betont Dr. Hans-Joachim Blum, Geschäftsführender Schulleiter der Mühlacker Schulen und Leiter der Mörike Realschule. „Wenn man das mal akzeptiert hat, kann man schon ganz gut damit leben.“ Wenn ein Infektionsfall an einer Schule auftrete, werde dieser dem Gesundheitsamt gemeldet. Für das, was dann passiert, gibt es keine Blaupause. „Ob eine Schule dann ganz oder nur teilweise geschlossen werden muss, muss im Austausch mit den zuständigen Behörden entschieden werden“, sagt Blum. Etwa 730 Kinder und Jugendliche besuchen die Mörike-Realschule. Hat Blum Angst davor, dass das Virus den Präsenzunterricht auch dort erneut abwürgen könnte? „Eigentlich bin ich optimistisch und hoffe, dass wir die Sommerferien mit der aktuellen Unterrichtsform erreichen können.“

Von Normalität könne übrigens auch jetzt, wo der Präsenzunterricht wieder begonnen habe, keine Rede sein, betont Blum. „Alles steht und fällt mit dem Abstandsgebot. Solange diese Regelung noch gilt, haben wir keinen Normalbetrieb.“ Nur die Abschlussklassen würden an weiterführenden Schulen durchgängig unterrichtet. Bis zu diesen Stufen arbeite man mit den fünften Klassen aufwärts aus Platzgründen nach wie vor mit einem rollierenden System.

Normalität herrscht erst wieder, wenn auch in Fächern wie Musik oder Sport Unterricht wie vor der Pandemie möglich ist. Aktuell komme aufgrund der Einschränkungen vieles zu kurz, ruft Blum in Erinnerung. Keine Arbeitsgemeinschaften, keine Klassenausflüge, praktische Unterrichtsinhalte, die nicht umgesetzt werden können. Der Schulleiter zählt eine ganze Reihe von Dingen auf, die nicht stattfinden können. „Das befriedigt in keiner Weise.“

Aufseiten des Lehrpersonals spürt Blum „Unsicherheiten“, weil man in seinen Möglichkeiten, den Unterricht zu gestalten, sehr eingeschränkt sei. Was die Schüler betrifft, hätten sich viele auf die Schule gefreut und müssten jetzt erkennen, „dass alles anders ist als gedacht“.

Und wie groß sind die Lerndefizite, die die Schüler in den Präsenzunterricht mitgebracht haben? Diese Frage kann Blum nur für seine Realschule beantworten: „Ich denke, dass sie sich in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch in Grenzen halten. Manch ein Schüler hat auch festgestellt, dass er in einer kleineren Gruppe gar nicht schlecht lernt.“

Wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergeht, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand vorhersagen. „Erst am vorletzten Schultag werden wir laut Kultusministerin Eisenmann diesbezüglich Neues erfahren“, sagt Blum. Dafür hat er Verständnis, denn niemand könne wissen, wie sich die Lage bis dahin entwickele. „Schließlich kommt ja auch noch der Urlaub, wo die Menschen verreisen.“ Aktuell plane er deshalb nicht ganz so intensiv wie sonst üblich für das kommende Schuljahr. „Wir wollen nicht zu viel für den Papierkorb machen“, sagt Blum.

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