Was ’n Müll!

Von Thomas Eier Erstellt: 1. August 2019, 00:00 Uhr
Was ’n Müll! Was ’n Müll!

Abfallvermeidung beginnt beim
Einkauf – und hat ihren Preis

Müllvermeidung ist, und das nicht erst seit der Diskussion ums (Mikro-)Plastik, in aller Munde, und die Zahl derer, die sich bei Lebensmitteln zweimal fragen, ob es die doppelt und dreifach verpackte Variante sein muss, steigt. Gleichzeitig wächst aber auch die Erkenntnis, dass es im Einzelfall Nerven kostet, den guten Willen gegen alle Hürden und Widerstände umzusetzen. Bezeichnend dafür sind die Erfahrungen, die dieser Tage eine Leserin in ihrer Zuschrift geschildert hat. So habe die Idee, statt immer neuer Tüten aus Kunststoff das gute, alte, wiederverwertbare Obstnetz zu verwenden, dazu geführt, dass sich andere Supermarkt-Kunden beschwert hätten, weil das – federleichte – Behältnis an der Kasse mitgewogen werde. Also müsse nun alles aus dem Netz gepackt und einzeln abgewogen werden, wundert sich die Leserin über derartigen Kleingeist. Eine Episode, die tief blicken lässt: Geht’s um den Preis, der niemals niedrig genug sein kann, verstehen viele Verbraucher keinen Spaß, da kann ihnen – in der Theorie – der Umweltschutz noch so lieb und teuer sein.

Was ’n Müll!, wird mancher denken, wenn es um allzu sparsame Zeitgenossen geht; wohl wissend, dass die Vermeidung von Abfall am Ende eine Preisfrage ist. Unverpackte, frische Lebensmittel aus der Region kosten in aller Regel mehr; sowohl an Geld wie auch an Aufwand, weil sie eben nicht über Wochen haltbar sind, sondern rasch verarbeitet werden müssen. Der Umweltschutz beginnt beim Einkauf, und abgesehen von den seltsamen Blüten, die die Verpackungswirtschaft im Einzelfall treibt, muss jeder für sich selbst abwägen, was er bereit ist, im Kampf gegen die Wegwerfgesellschaft zu investieren.

Klarer Fall: Müll von vornherein zu vermeiden ist noch besser als eine konsequente Mülltrennung, die dennoch von den Behörden in schöner Regelmäßigkeit angemahnt wird, damit Wertstoffe nicht in der Verbrennungsanlage landen. Spätestens hier könnte bei jedem Bürger und Gebührenzahler das Bewusstsein gereift sein, dass es am Ende auch um seinen Geldbeutel geht, weil die Gebührensätze eng mit der Frage der Einnahmen verknüpft sind. Während die Entsorgung des Restmülls nur kostet, lassen sich über „Flach“ und „Rund“ wiederum Erlöse erzielen.

Einzelne Teile der Gesellschaft sind an dieser Stelle freilich längst aus dem Verfahren ausgestiegen: Sie schmeißen ihren Müll nicht in die richtige Tonne, sondern an den Wegesrand oder in den Wald. Hier beginnt der Müll im Kopf.

Thomas Eier

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