Von entspannt keine Spur

Erstellt: 5. Juni 2013, 00:00 Uhr
Von entspannt keine Spur Von entspannt keine Spur

Für viele Flutopfer ist die Katastrophe noch in vollem Gange

Von Thomas Eier

Die Lage hat sich entspannt, heißt es offiziell, und gemeint ist die Hochwasserlage an Bächen und Flüssen. Für die Betroffenen kann allerdings auch Tage nach der Flut von Entspannung keine Rede sein. Für sie hat das Unheil zu dem Zeitpunkt, als das Wasser abfloss, erst so richtig begonnen.

Die Häuser und Wohnungen verwüstet, das Mobiliar, sämtliche Haushaltsgeräte und alles, was dem Bewohner lieb und teuer war, verloren. Die ersten Schäden zu beheben, der Feuchtigkeit, des Schlammes und des Mülls Herr zu werden – körperliche Schwerstarbeit. Das Wasser hat sich in die Wände gesogen und den Bodenbelag unterspült. Die braune Brühe ist in jede Fuge und jede Ritze gedrungen, und in welchem Raum sie welche Schäden angerichtet hat, zeigt sich mit jedem Tag deutlicher. Opfer der Flut von 1993, die dieses Mal verschont geblieben sind, werden jedes Detail, jeden neuen Schock und jeden neuen Grad der Verzweiflung nachempfinden können.

Die einzige Hoffnung, die vielen Betroffenen bleibt, ist ein umfassender Versicherungsschutz, der, wenn nicht alle, so doch einen Großteil der Verluste ausgleicht. Doch wie inzwischen aus Ötisheim zu hören ist, sind bei Weitem nicht alle der Betroffenen auf der sicheren Seite. Viele konnten sich die Prämien für eine umfassende Absicherung möglicherweise gar nicht leisten; andere haben vielleicht darauf vertraut, dass nichts passieren wird.

Der Blick in die betroffenen Ortschaften, und davon gibt es in der Region mehr als genug, zeigt anhand der einzelnen Härtefälle, welche Nachwirkungen mit einem Naturereignis wie dem am Samstag verbunden sind. Ein Ladengeschäft, das eine Generalsanierung braucht, ein Betrieb, der vorübergehend außer Betrieb ist, oder das Seniorenheim, in dem die an Demenz erkrankten Bewohner ihr vertrautes Zimmer und ihre festen Rituale vermissen: Während die Wassermassen vielen Unbeteiligten als spektakuläres Schauspiel erschienen, gehen die Folgen an die Substanz, und wer hierzulande das Wasser in seiner Wohnung hatte, versteht umso besser die Opfer in Passau oder andernorts.

Das Wetter hat sich beruhigt, die Pegel sind gefallen, der Fluss ist wieder zum Bächlein geworden – aber davon, dass nun alle entspannt sein dürfen, kann noch lange keine Rede sein.

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