Verträglich?

Von Thomas Eier Erstellt: 6. August 2019, 00:00 Uhr
Verträglich? Verträglich?

Die Stadt braucht ein Wohngebiet,
die Firma Craiss muss erweitern

Lkws machen Krach, sie stinken und halten im Zweifelsfall den Verkehr auf. Andererseits garantieren die Logistikunternehmen auch, dass der Nachschub rollt – ob es sich nun um fertige Ware oder um Teile für die Industrie handelt, die nicht selten ihre klassische Lagerhaltung aus Kostengründen aufgegeben hat. „Just in time“ lautet ein Schlagwort, um den punktgenauen Lieferservice, der bei der Firma Craiss über ausgeklügelte, selbst entwickelte Programme gesteuert wird, zu beschreiben.

Klarer Fall: Bei allen Klagen über die Lkw-Kolonnen auf deutschen Straßen, von denen die wenigsten deutscher Herkunft sind, braucht es ein funktionierendes Transportsystem, und das gilt umso mehr in Zeiten des jahrelangen Wirtschaftsbooms. Ohne rollende Räder würde sich an vielen Stellen kein Rad mehr drehen, und von daher kann es bei der Diskussion um den richtigen Standort für ein Logistikunternehmen nie um ein Entweder-oder, sondern nur um ein verträgliches Miteinander gehen.

In Mühlacker will niemand auf eine erfolgreiche Traditionsfirma wie Craiss verzichten, dennoch erscheint die Situation zunehmend schwierig. Während einerseits das benachbarte Ziegeleigelände als Sahneschnitte für eine Wohnbauentwicklung gilt, braucht daneben der Logistiker dringend zusätzlichen Platz. Ein Umzug auf der Gemarkung, der gleichzeitig die Touren über die Lienzinger Straße beenden würde, wäre der Königsweg, doch dafür – alle Verfechter eines neuen Industriegebiets werden sich an dieser Stelle bestätigt fühlen – fehlt es an den nötigen Flächen.

Die jüngste Empfehlung aus der CDU-Gemeinderatsfraktion, das Unternehmen möge den gegenüberliegenden, frei werdenden Standort des Discounters Aldi, der an die Ziegeleistraße umziehen will, nutzen, ist aus Sicht der Firma Craiss keine Zukunftsoption. Von daher erscheint Situation, falls nicht jemand eine neue Idee hat, vertrackt.

Die Sattelzüge mit den blauen Planen und dem Schriftzug Craiss, die in vielen Ländern Europas unterwegs sind, wecken mit ihrem Anblick nicht nur Heimatgefühle bei Urlaubsreisenden, sie sind auch so etwas wie rollende Werbebanner für die Stadt. Außerdem ist die Firma mit ihren 250 Beschäftigten und 30 Auszubildenden ein wichtiger Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler, und geht es weiterhin um den Konflikt zwischen ruhiger Wohnlage und „stinkenden Lastern“, ist es wichtig, alle Seiten der Medaille ins Kalkül zu ziehen.

Thomas Eier

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