Verständnis

Von Joy Garcia Oliver Erstellt: 20. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Verständnis Verständnis

Die Bewohnerinnen der Niefernburg haben Anerkennung verdient

Wer aus der Reihe tanzt, wird von der Gesellschaft nicht akzeptiert. Abfällige Blicke, Unverständnis und Ablehnung sind häufig die Folge – schließlich glaubt man, dass die meisten selbst an ihrem Dilemma schuld seien und sich für dieses Leben entschieden hätten.

Jedem, der so denkt, empfehle ich einen Besuch in der Niefernburg. Spätestens hier sollte ein jeder begreifen, dass nicht alles im Leben mit Selbstbestimmung und Wille zu tun hat. Wenn ein Mädchen mit 13 Jahren statt draußen zu spielen lieber Drogen konsumiert und dafür sogar ihren Körper verkauft, hat sie sich das sicher nicht so gewünscht. Vielen der Mädchen sind furchtbare Dinge passiert, die den meisten Menschen hoffentlich ihr ganzes Leben nicht zustoßen. Einige von ihnen wurden misshandelt – oft verbal und körperlich. Andere sind mit Eltern aufgewachsen, die selbst drogenabhängig oder psychisch krank waren und sich nicht angemessen um ihre Kinder kümmern konnten. Viele haben ihr ganzes Leben lang nur Ablehnung erfahren und kein Urvertrauen oder echte Liebe kennengelernt. Eins steht fest: Wer so jung schon so weit unten angekommen ist, dass er mit richterlicher Genehmigung in einem geschlossenen Heim untergebracht wird, hat das nicht gewollt.

Trotzdem ist die Einrichtung einigen Anwohnern ein Dorn im Auge. Sie wollen nicht begreifen, dass die Mädchen, die hier wohnen, tatsächlich an sich arbeiten und die Pädagogen hervorragende Arbeit leisten. Jugendliche aus ganz Deutschland werden hier therapiert. Dazu kommt, dass nur die Mädchen angenommen werden, die bereit sind, nach dem letzten Strohhalm zu greifen, und die Hilfe wirklich annehmen wollen.

Ablehnung ist das Letzte, was die jungen Mädchen brauchen. Deshalb bekommen sie nicht nur mein Verständnis, sondern auch größte Anerkennung für den Willen und den Mut, etwas verändern zu wollen –und das oft ganz allein.

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