Sträflich dumm

Von Thomas Eier Erstellt: 5. Juni 2019, 00:00 Uhr
Sträflich dumm Sträflich dumm

Mühlacker ist sicher, aber Sprayer
und Vandalen sind ein Ärgernis

Es gibt neugewählte Gemeinderäte, die dafür eintreten wollen, dass Mühlacker sicherer und sauberer wird und dass sich Passanten auch nach Einbruch der Dunkelheit ohne mulmiges Gefühl auf die Straße trauen können. Darf man andererseits der Statistik des örtlichen Polizeireviers glauben, muss schon heute niemandem bange sein: Die Kriminalitätszahlen seien besonders niedrig und insgesamt unauffällig, lautet die Bilanz für das vergangene Jahr, die dem Eindruck widerspricht, es brauche hierzulande dringend mehr Law and Order.

Kapitalverbrechen mit Mord und Totschlag sind in Mühlacker extrem selten, Angriffe und Überfälle auf offener Straße ebenfalls, und das beunruhigende Phänomen der Haus- und Wohnungseinbrüche am helllichten Tag wurde zuletzt erfolgreich eingedämmt. Die Stadt ist nach den Fallzahlen des Reviers zwar keine Insel der Glückseligkeit, nach wie vor aber ein sehr sicheres Pflaster.

Umso ärgerlicher ist, dass immer wieder vollkommen überflüssige Vorfälle den guten Gesamteindruck trüben, die zwar nicht gerade unter die Rubrik Schwerstkriminalität fallen, aber wegen ihrer Sinnlosigkeit umso mehr Ärger verursachen: sträflich dumme Sachbeschädigungen inklusive der Schmierereien, die an Fassaden, Mauern, Lärmschutzwänden und gefühlt jeder freien Fläche im Stadtbild prangen. Diese „Graffiti“, die meist von wenig Talent zeugen, tragen gemeinsam mit diversen Anfällen von Zerstörungswut – zerschmissene Glasscheiben an Bushaltestellen, verwüsteter Blumenschmuck oder andere Exzesse – zum vermeintlichen Schmuddelimage bei, und wenn ein künftiger Stadtrat dagegen ein Patentrezept weiß, dann bitte her damit!

Die Vorstellung, wonach zusätzlich zur heutigen Präsenz von Polizei und City-Streife weitere Hundertschaften die Gemarkung auf der Suche nach jungen Sprayern durchstreifen könnten, dürften dagegen kaum realistisch sein. Von daher muss Mühlacker wohl auch weiterhin mit Vandalismus leben, der regelmäßig Negativschlagzeilen macht, ohne dass er Leib und Leben bedroht.

Schöner wäre die Stadt ohne „verzierte“ Wände und vermüllte Ecken, doch umgekehrt ist der Umstand, dass solche Auswüchse ins Blickfeld rücken, ein klares Zeichen dafür, dass „echte“ Kriminalität unterm Sender nicht die ganz große Rolle spielt. Diese Interpretation der Polizeistatistik ist auch keine Verharmlosung von Sachbeschädigungen, sondern eine sachliche Einordnung.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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