Schlag ins Gesicht

Von Lukas Huber Erstellt: 16. März 2020, 00:00 Uhr
Schlag ins Gesicht Schlag ins Gesicht

Die einheitliche Linie fehlt

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man an einem milden Sonntagnachmittag im März am Fußballplatz steht und nichts als Stille herrscht. Vor wenigen Tagen lautete der Plan des Reporters noch, über die Partie Sportfreunde gegen den FV Lienzingen zu berichten, doch nun gibt es im Letten keine Pfiffe des Schiedsrichters, keine Anweisungen der Trainer und keine Emotionen von Spielern und Fans nach Toren. Das Coronavirus hat die Gesellschaft in diesen Tagen fest im Griff und sorgt für Einschränkungen, die die wenigsten Menschen hierzulande je erlebt haben.

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Betroffen sind Sportler und Fans im Amateur- wie im Profibereich – Sportartenübergreifend – gleichermaßen: Momentan gibt es keine Wettkämpfe, denn am Freitag haben die letzten Verbände beschlossen, den Betrieb auszusetzen, um die weitere Verbreitung von Corona zu verlangsamen. Und die Vereine in der Region scheinen für diesen Schritt nicht nur Verständnis zu haben, sie sehen sich auch in der Verantwortung, mitzuziehen. Ob über Facebook, Instagram, die Webseite oder das persönliche Gespräch mit unserer Zeitung – die Clubs erkennen den Ernst der Lage und setzen den Trainingsbetrieb aus, obwohl der Verband sie dazu nicht zwingt.

Verständnis ist aber nicht selbstverständlich, betrachtet man den Verlauf der letzten Woche: Für jeden Verein, der seiner Verantwortung nachkommt und auf wichtige Einnahmen verzichtet, dürfte es sich wie ein Schlag ins Gesicht angefühlt haben, dass etwa der VfB Stuttgart, größter Fußballverein in der Region und damit Vorbild, noch am Montag vor großer Kulisse gegen Bielefeld kickte. Am Donnerstag, einen Tag vor der Entscheidung, alles abzusagen, trat dann Bayer Leverkusen in der Europa League bei den Glasgow Rangers vor voller Hütte an – und das, obwohl auch schon zu der Zeit in Schottland das Virus auf dem Vormarsch war.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Lage normalisiert. Und wenn nicht, dass künftig bei Spielabsagen eine einheitliche Linie gefahren wird – und zwar von Beginn an im Sinne der Gesundheit. Denn nur, wenn das Virus eingedämmt wird, wird sich der Alltag und damit auch der Sportbetrieb normalisieren.

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