Schläge für Boten

Von Thomas Sadler Erstellt: 28. Februar 2019, 00:00 Uhr
Schläge für Boten Schläge für Boten

Die Berichterstattung der Zeitung
darf Negatives nicht verheimlichen

Seit einem Jahr beraten und begleiten die Vertreter des Verbandes Deutscher Sinti und Roma die Roma-Familien in Enzberg, um im Alltag behilflich zu sein und Konflikte zwischen den Neubürgern und der einheimischen Bevölkerung zu entschärfen beziehungsweise zu vermeiden. Die Arbeit des Duos, das direkt auf die Roma zugeht, hat bereits erste Erfolge beschert. Um die erfreuliche Entwicklung fortzusetzen und auszubauen, wird der Vor-Ort-Einsatz weitergeführt.

So weit, so gut. Eigentlich hätte die Sitzung des Ausschusses harmonisch verlaufen können. Doch stattdessen kam es jäh zu einem Eklat: Günter Bächle, Vorsitzender der CDU-Fraktion und früherer Journalist, packte mitten in der Aussprache seine Unterlagen ein und verließ aus Protest den Ratssaal. Auslöser war das Verhalten von Jovica Arvanitelli, einem der Vertreter des Roma-Verbands. Dieser hatte zuvor mehrmals die Berichterstattung der Tageszeitungen aufs Korn genommen, die er für übertrieben und zu negativ hält.

Die Art und Weise der Kritik zeugt von einem besonderen Verständnis des Beraters von Pressefreiheit und der Aufgabe der Medien. Es ist nicht Sache der Zeitungen, unschöne Vorgänge zu verheimlichen, sondern es ist ihre Pflicht, sie zu veröffentlichen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Wenn sich Bürger beklagen und ihre Beschwerden begründen können, ist darüber zu berichten. Den Überbringer der Botschaft zu schlagen, weil diese nicht erfreulich ist, ist unangemessen und unfair. Auch unterschwellig den Eindruck zu erwecken, eigentlich sei die Presse daran schuld, dass es zu Spannungen zwischen Roma und Einheimischen kommt, ist unangebracht.

Das Mühlacker Tagblatt verunglimpft keine (nichtdeutschen) Minderheiten, sondern wehrt sich vielmehr gegen jegliche Diskriminierung. Auch findet nicht nur Negatives Berücksichtigung. Gute Nachrichten sind durchaus willkommen. Was nicht geht, ist, schlechte Nachrichten zu guten umzufrisieren.

Weiterlesen
Leihgabe

Leihgabe

Der Einsatz der Bürger für das Bolzplatz-Projekt ist lobenswert Etwa 30 Ehrenamtliche aus Sternenfels haben in den vergangenen Monaten eindrucksvoll gezeigt, wie man sich als Bürger für das Allgemeinwohl einsetzen… »