Rückhalt

Von Thomas Eier Erstellt: 23. Oktober 2017, 00:00 Uhr
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Eine OB-Wahl als Formalität und
die Frage nach der Beteiligung

Wer das Wahlrecht gleichzeitig als eine staatsbürgerliche Pflicht empfindet, wird eine Beteiligung von 18,27 Prozent als wenig ermutigend empfinden. Gleichzeitig könnte man versucht sein, die Resonanz auf die Oberbürgermeisterwahl in Mühlacker zum Maßstab für das Ansehen des Amtsinhabers zu erheben, der in diesem Fall der einzige Kandidat war. 18,27 Prozent? Steht der Rest der Einwohnerschaft, der sich den Urnengang ersparte, etwa nicht hinter Frank Schneider? Ist das mangelnde Interesse ein politisches Statement? Ausdruck der Verdrossenheit?

Bevor jemand in reflexartige Empörung ausbricht oder vermeintlich tiefgründige Interpretationen anstellt: Anderes war – einfach deshalb, weil die Menschen bequem sind – nicht zu erwarten. Mit einer Quote von „20 plus“, hatte der alte und neue Verwaltungschef im Vorfeld erklärt, wäre er hinsichtlich der Beteiligung schon zufrieden – weil sich bei einer Wahl, die schon entschieden ist, eben nicht jeder an seinem freien Sonntag die „Mühe“ eines Abstechers ins Wahllokal machen will. Wer vor diesem Hintergrund unbedingt darüber spekulieren möchte, wie viele der fast 15750 Ferngebliebenen unzufrieden mit dem OB und/oder der Mühlacker Kommunalpolitik sind, darf das gerne tun, doch im Grunde gilt: Wenn überhaupt, ist die Wahlbeteiligung in diesem Fall höchstens ein Indiz für das Freizeitverhalten der Bevölkerung.

Viel wichtiger für die Stadt und ihren OB wird es sein, dass sich auch in Zukunft genügend Bürger interessieren und engagieren, wenn es darum geht, liebgewonnene Einrichtungen und Angebote – die Enzgärten und die dort stattfindenden Veranstaltungen sind nur ein Beispiel von vielen – zu bewahren und neue Ideen und Projekte umzusetzen und mitzutragen. Was den Einsatz der Bürger auf vielen Ebenen betrifft, braucht sich Mühlacker, das durch die Gartenschau einen zusätzlichen Schub erlebte, nicht zu verstecken. Die Zukunftswerkstätten und die dabei entworfenen Konzepte zeugen von der Bereitschaft der Bürger, mitzugestalten. Bauvorhaben sind nicht alles.

Oberbürgermeister und Gemeinderat haben mit der neuen Sachlichkeit im Umgang, die auch bei strittigen Themen nicht verloren gegangen ist, ihren Teil zur besseren Grundstimmung beigetragen, die letztlich dazu führte, dass sich kein Herausforderer traute und Frank Schneider keinen Konkurrenten hatte. Bei dieser Ausgangslage muss die fehlende Auswahl, die zwangsläufig eine niedrige Wahlbeteiligung nach sich zieht, kein Grund zur Klage sein, sondern kann im Gegenteil als Ausdruck der Zufriedenheit und des Wunsches nach Kontinuität gewertet werden.

Frank Schneider darf weitere acht Jahre als Chef im Rathaus und Vorsitzender im Ratssaal die Geschicke seiner Heimatstadt maßgeblich mitbestimmen. Das ist das Resultat einer Wahl, die am Ende nur eine Formalität war, deshalb aber längst noch keine Enttäuschung.

Thomas Eier

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