Preisfrage

Von Thomas Eier Erstellt: 18. September 2019, 00:00 Uhr
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Die Vision eines städtischen Senders
hängt in erster Linie an den Kosten

Soll die Stadt das Sendergelände vom SWR übernehmen, um auf diese Weise das Wahrzeichen zu retten? So lautet die Preisfrage, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bei aller ideellen Verbundenheit wird am Ende das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag über die „großzügige“ Offerte der öffentlich-rechtlichen Anstalt entscheiden, die in der Vergangenheit keinen Hehl daraus machte, dass sie das technische Kulturdenkmal vor allem als teuren Klotz am Bein empfindet. Ein Verkauf an die Stadt wäre aus Sicht des SWR die eleganteste Lösung, um einem weiteren Tauziehen aus dem Weg zu gehen.

Die Stadt Mühlacker dagegen hat andere wichtige Aufgaben zu bewältigen, und weil es beim Verkaufsangebot des SWR bis dato nicht um einen symbolischen Euro geht, hängt alles, wie so oft, am Geld. Wie teuer ist das Grundstück samt Häusern und Hallen? Wer bezahlt die nächste Sanierung, die auf mindestens eine Million Euro veranschlagt ist? Und wie hoch sind danach, wenn der Mast auf Vordermann gebracht ist, die Unterhaltungskosten? Sich aus reiner Sentimentalität auf ein finanzielles Abenteuer einzulassen, kann sich die Stadt nicht leisten, während der SWR einen Kostenfaktor loswerden will.

Klarer Fall: Soll die Senderstadt mit Hilfe der Denkmalstiftung den Schwarzen Peter übernehmen, ist eine Voraussetzung, dass der SWR sein Scherflein beisteuert, indem er die Anlagen günstig hergibt. Auf dieser Basis ließe sich, wenn die Zusagen über Fördermittel für die Generalüberholung vorliegen, weiter kalkulieren. Angenommen, die jährlichen Unterhaltungskosten lägen deutlich unter den 80000 Euro, die der SWR regelmäßig angeführt und der Sender-Verein ebenso regelmäßig angezweifelt hatte, könnte die Rechnung aufgehen. 20000 oder 30000 Euro im Jahr ließen sich rechtfertigen, zumal die Stadt und der Förderverein, der sich einbringen will, die Halle gegebenenfalls als Veranstaltungsort und damit als zusätzliche Einnahmequelle nutzen könnten.

Apropos Förderverein: Sollte die Vision eines städtischen Senders in der Senderstadt wahr werden, wären die Ideen, die vor fünf Jahren ins Spiel gebracht wurden, plötzlich keine reine Utopie mehr. Zu Füßen des Wahrzeichens eine Veranstaltungshalle und dazu noch ein kleines Rundfunkmuseum? Fast sechs Jahre nach dem Abbruch des kleinen Senders eine reizvolle Vorstellung; allerdings nur, wenn der Preis stimmt.

Thomas Eier

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