Nachbarschaft

Von Frank Goertz Erstellt: 30. November 2019, 00:00 Uhr
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Erweiterungspläne von Süss Microtec bergen viel Konfliktpotenzial

„Wohnen, Arbeiten und Erholen“ – so preist die Gemeinde Sternenfels die Vermarktungsstrategie ihrer letzten Baugrundstücke im Gewerbepark an. Dabei verschweigt sie , dass die räumliche Nähe zwischen Wohngebiet und Gewerbegebiet erhebliches Konfliktpotenzial birgt. Konfliktpotenzial, das durch die Erweiterungspläne der Firma Süss Microtec, mehr als deutlich wird. Denn ein Großteil der direkten Nachbarn im Wohngebiet verfolgt die Pläne kritisch.

Auf einer informellen Versammlung kurz nach dem grundsätzlichen Gemeinderatsbeschluss im Mai, der Firma Süss Microtec den Weg für eine Erweiterung zu ebnen, hat Bürgermeister-Stellvertreter Klaus Riekert den Nachbarn versichert, dass sie keine Nachteile zu befürchten hätten. Garant dafür sei ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, bei dem die Art der Nutzung der derzeitigen Wiese, die eigentlich als Mischgebiet ausgewiesen ist, konkret festgeschrieben wird. Hier würde Süss Microtec nur ein Verwaltungsgebäude bauen.

Aber davon ist plötzlich keine Rede mehr. Wie Planer Harald Bohner und Dr. Franz Richter, Vorstandsvorsitzender von Süss Micotec, jetzt erklärt haben, sei ein vorhabenbezogener Bebauungsplan vom Tisch. Vielmehr sollte ein Bebauungsplan für ein eingeschränktes Gewerbegebiet entwickelt werden, das viel mehr Optionen offenlässt. Auch die Option, dass ein Teil der Produktion beziehungsweise Montage in unmittelbarer Nähe der Wohnhäuser möglich ist.

Natürlich versichert Planer Bohner, dass alle Grenzwerte eingehalten werden. Dabei hat er im Mai im Gemeinderat aber auch erklärt: „„Problempotenziale sind da, aber sie sind planerisch lösbar.“ In diesem Zusammenhang von „Problempotenzialen“ zu sprechen, gleicht einem Euphemismus. Denn Bohner weiß genau, dass jetzt schon Grenzwerte teilweise überschritten werden, wobei Dr. Franz Richter auch glaubhaft versichert, dass das Unternehmen alles daran setze, diese Lärmquellen in den Griff zu bekommen.

Was allerdings viel schwerwiegender ist, ist die Tatsache, dass die Gemeinde scheinbar bereit ist, das Heft des Handelns ein Stück weit aus der Hand zu geben, indem sie mit dem Gedanken spielt, darauf zu verzichten, konkrete Festsetzungen in einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu machen, der jegliche andere Nutzung als ein Bürogebäude ausschließt und sogar schon Vorgaben zur Kubatur und Gestaltung des Gebäudes machen könnte. Viele Anlieger fühlen sich deshalb regelrecht verschaukelt. Zumal ihnen vor einigen Jahren beim Kauf der Bauplätze zugesichert wurde, dass zwischen ihren Häusern und dem Gewerbepark ein Mischgebiet als Puffer vorgesehen ist. Wenn die Baurechtsbehörde des Enzkreises jetzt mitspielt, ist diese Zusage nichts wert. Aber wenigstens liegt jetzt die ganze Wahrheit auf dem Tisch.

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