Kurze Wege

Von Thomas Eier Erstellt: 17. Januar 2020, 00:00 Uhr
Kurze Wege Kurze Wege

Vom Polizeipräsidium Pforzheim
profitiert auch der Raum Mühlacker

Otto Normalverbraucher ist es generell am liebsten, er hat möglichst wenig mit der Polizei zu tun, und wo genau deren Führungsetage angesiedelt ist, wird ihn im Alltag wenig berühren. Wichtig ist, wenn es Hilfe braucht, vor allem der Streifendienst vor Ort, aber ob der Polizeipräsident nun in Pforzheim sitzt oder in Karlsruhe …

Bei der Wiederbelebung einer Polizeizentrale in Pforzheim – aus der früheren Polizeidirektion ist nun ein Polizeipräsidium geworden – geht es um mehr als um das Thema innere Sicherheit, die in den vergangenen sechs Jahren nicht spürbar gelitten hat. Es geht um kürzere Wege und überschaubare Zuständigkeitsbereiche, verbesserte interne Abläufe und eine größere Nähe der Polizeiführung zu den Revieren in der Region – aber gleichzeitig geht es auch und vor allem um Standortpolitik. Der Verlust der Polizeidirektion bedeutete für die Stadt Pforzheim, das ohnehin schwer gebeutelte Oberzentrum der Region, einen weiteren herben Verlust, weil Institutionen wie ein „eigenes“ Polizeipräsidium hohen Symbolcharakter haben, was die Bedeutung einer Kommune betrifft. Die Polizeibeamten im Nordschwarzwald werden seit Jahresbeginn nicht mehr vom fernen Karlsruhe aus „regiert“, wo – kein Vorwurf – viele Kollegen kleinere Ortschaften im Raum Mühlacker nur dank Google Maps und Navi zuordnen konnten.

Abgesehen davon, dass Pforzheim als einzige Großstadt der Region und, daraus resultierend, Kriminalitätsschwerpunkt eine Polizeiführung vor Ort dringend braucht, wird die Reform der Reform die tägliche Arbeit auch in den Enzkreis-Außenposten inklusive Mühlacker erleichtern, weil im neuen Pforzheimer Präsidium einige Beamte sitzen, die früher unterm Sender Streife gefahren sind. Im Übrigen gilt bei der Polizei wie in allen großen Organisationen: Je näher die Chefetage, desto besser ist sie mit der Situation und den Problemen vertraut. Was – als Anmerkung in eigener Sache – auch für die Berichterstattung unserer Zeitung kein Nachteil ist.

Mit der Einweihung, die im Beamtenjargon „Indienststellung“ heißt, ist die (standort-)politische Kehrtwende endgültig vollzogen, und alle, die sich dafür starkgemacht haben, dürfen sich über ihren Erfolg freuen. Von den neuen Strukturen profitieren am Ende auch Mühlacker und seine Bürger, die statistisch gesehen ohnehin sehr sicher leben.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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