Kulturgut

Von Thomas Eier Erstellt: 15. März 2018, 00:00 Uhr
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Beispiel Poetry Slam: Ein reizvolles
Format muss nicht immer teuer sein

Über die Frage, was eine große Kleinstadt wie Mühlacker über ihr rühriges Vereinsleben hinaus in kultureller Hinsicht noch bieten muss, lässt sich trefflich streiten. Schließlich ist der Begriff „Kultur“ nicht nur schwer zu fassen, die Bewertung hängt auch stark von den persönlichen Vorlieben ab. Während der eine Hip-Hop und Rockmusik mag, wünscht sich der andere ein klassisches Schauspiel oder einen schwäbischen Schwank. Umso spannender wird die Debatte angesichts der Pläne für eine neue Stadthalle, wo sich die Lethargie der letzten Mühlehof-Jahre keinesfalls fortsetzen darf.

Grundsätzlich gilt: Die Mischung macht’s, und eine große Bandbreite mit Schmankerl für jede Geschmacksrichtung und jede Altersgruppe ist gefragt; wohl wissend, dass ein städtischer Kulturbetrieb – analog zum Stadtbus oder den Bädern – immer ein Zuschussbetrieb bleiben wird. Nichtsdestotrotz sollte ein Mittelzentrum, das fürs Umland wichtig sein will, mit einem attraktiven Programm punkten, das nicht allein von der Kommune bestritten werden muss. Viele Highlights – nehmen wir beispielhaft die Klassikkonzerte in der Frauenkirche und im Uhlandbau, die Kunstnacht oder das Sommerfestival in den Enzgärten – werden dank des Engagements der Beteiligten für vergleichsweise kleines Geld ermöglicht.

Hier reiht sich nach dem Motto klein, aber fein der Poetry Slam des Mühlacker Tagblatt ein, der sich aus einem Versuchsballon im Rahmen der Gartenschau zu einem etablierten Format im Veranstaltungskalender der Stadt entwickelt hat. Zum 50. Mal hat in dieser Woche ein Enzgärten-Slam das Publikum gefesselt, und vermutlich hätte nicht einmal Ideengeber Rolf Watzal, der für seinen Mut und Optimismus bekannt ist, damit gerechnet, dass dem Mühlacker Dichterwettstreit eine solch lange Lebensdauer vergönnt sein würde.

Der Poetry Slam ist kein Spektakel, und die Stars der Szene, die für eine Aufwandsentschädigung antreten, sind vorrangig der wachsenden Fangemeinde geläufig. Trotzdem zeigt das Beispiel, dass es nicht immer den Riesenaufwand und fette Gagen braucht, um über das gewohnte Einerlei hinaus etwas Besonderes zu bieten. In dieser Hinsicht hat der Poetry Slam – gemeinsam mit anderen altbewährten und auch neueren Angeboten – sogar eine Vorbildfunktion.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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