Kleine Schritte

Von Thomas Eier Erstellt: 18. Dezember 2019, 00:00 Uhr
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Die finanzielle Lage der Stadt erlaubt
(eigentlich) keine großen Sprünge

Mit der Weigerung einer Gemeinderatsmehrheit, ins Wahrzeichen Sender zu investieren, hat die Stadt – für den Kauf des Areals und neuer Spannschlösser – mehr als 600000 Euro gespart, doch eine Schule oder Brücke wird dafür vorerst nicht saniert. „Das Minus fällt kleiner aus“, beschreibt OB Frank Schneider den Effekt im Etat-Entwurf, der schwierige Zeiten vorhersagt. Das neue Haushaltsrecht trägt zwar vordergründig seinen Teil zur finanziellen Schieflage bei – aber andererseits gilt diese Berechnung als ehrlicher.

Die Stadt Mühlacker gibt heute schon mehr aus, als sie einnimmt, und dieser Zustand wird sich mit jedem Millionenprojekt zusätzlich verschärfen. Was nichts daran ändert, dass kurz- und mittelfristig viel Geld in Schulen und Brücken, eine neue Stadthalle und unzählige andere Vorhaben investiert werden muss. Warum also, könnte sich manch einer fragen, nehmen wir nicht heute, da die Zinsen niedrig sind wie nie, 100 Millionen auf und erledigen alle Aufgaben zwar auf Pump, dafür aber für billiges Geld und auf einen Schlag?

Die Antwort steht fest, denn abgesehen davon, dass die Aufsichtsbehörde dieser Strategie keinesfalls ihren Segen geben würde, könnte die Stadt selbst bei einer Laufzeit von 30 Jahren niemals die Summen für Tilgung, Zinsen und Abschreibung tragen, die sich, wie Kämmerin Rapp und OB Schneider spontan überschlagen, auf gut zehn Millionen Euro jährlich belaufen würden.

Folglich ist dieser große Wurf mit einer doppelten und dreifachen Schuldenlast auch keine Lösung – und so bleibt der klammen Stadt nur das gute, alte Prinzip der schwäbischen Sparsamkeit, um die Herausforderungen Schritt für Schritt zu bewältigen. Eine Aussicht, die gerade jetzt, mit dicken Brocken vor der Brust und ungeduldigen Bürgern und Eltern im Nacken, der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat einiges abverlangen wird. In seiner Haushaltsrede bemühte OB Schneider ein Zitat aus dem Römerbrief – und etwas biblische Gelassenheit und Bescheidenheit, so scheint’s, kann in keinem Fall schaden.

Thomas Eier

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