Kein Heldentum

Von Thomas Eier Erstellt: 16. April 2018, 00:00 Uhr
Kein Heldentum Kein Heldentum

Zivilcourage wird überall gefordert, doch was genau ist damit gemeint?

Passanten im Pforzheimer Nachtleben werden grundlos attackiert, junge Männer prügeln sich auf offener Straße, im Emma-Jaeger-Bad belästigen männliche Gäste junge Mädchen – an Beispielen dafür, wie schnell es im Alltag zu prekären Situationen kommen kann, hat es zuletzt nicht gemangelt. Jeder kann sich gerne anhand der Polizeimeldungen selbst überprüfen: Was hätte ich, wäre ich Zeuge geworden, getan? Wäre ich ein Risiko eingegangen und selbst eingeschritten? Hätte ich die Polizei gerufen? Oder hätte ich, was viele bevorzugen, die Situation einfach ignoriert, um keine Scherereien zu haben?

Unter dem Begriff der Zivilcourage, die allenthalben gefordert wird, versteht jeder etwas anderes, und bis der Ernstfall eintritt, bleibt vieles theoretisch. Denn wer weiß schon sicher vorherzusagen, ob in dem Moment, in dem Entschlossenheit gefragt wäre, nicht der Mut fehlt, zumal schon oft genug Helfer zum Opfer von Aggressionen geworden sind. Die Polizei verlangt nicht nach Helden, wichtig ist ihr nur eines: Jede Reaktion ist besser, als wegzuschauen und das Opfer sich selbst zu überlassen.

Zivilcourage lässt sich lernen, und genau deshalb macht der Kurs, der an zwei Abenden in der Beratungsstelle in Mühlacker angeboten wird, auch Sinn. Die Teilnahme ist zwar keine Gewähr dafür, in jeder Extremsituation richtig zu reagieren, doch sie kann das Bewusstsein schärfen, was notwendig und angebracht ist. Vielleicht reicht schon ein Warnruf oder eine klare Ansage an den Täter, um die Lage zu entschärfen. Vielleicht gibt es Mitstreiter, damit kein Helfer alleine eingreifen muss …

Der Trend, wonach Zeugen von Übergriffen und Unfällen ihr Smartphone bevorzugt dazu nutzen, ein spektakuläres Video für Facebook und Youtube zu drehen, anstatt Polizei und Rettungsdienst zu verständigen, hat zuletzt an verschiedenen Schauplätzen in der Republik traurige Schlagzeilen produziert. Deshalb macht es auch in einer besonders sicheren Region wie Mühlacker und dem Enzkreis Sinn, wenn jeder die eigene Haltung hinterfragt. Wer zum Opfer wird, will nicht alleine dastehen. Auch nicht der dreiste Handy-Filmer.

Thomas Eier

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