Juchtenvogel

Von Thomas Eier Erstellt: 18. Mai 2018, 00:00 Uhr
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Kaum geht es gegen Windanlagen,
wollen alle den Rotmilan schützen

Der Rotmilan, der als bedrohte Art in der Vergangenheit vorrangig überzeugte Naturfreunde interessierte, ist ohne sein Zutun zum wichtigsten und begehrtesten Tier der Region geworden. Überall dort, wo theoretisch der Bau von Windanlagen drohen könnte und es Widerstand gibt, gebärden sich auch Abgeordnete, Bürgermeister und Gemeinderäte, die
als Umwelt- und Tierschützer bislang weniger in Erscheinung getreten waren, als glühende Fürsprecher des seltenen Greifvogels und engagierte Bewahrer seiner Lebensräume. Gleiches gilt, sofern vorhanden, für Fledermäuse oder andere seltene Arten.

Mancher könnte auf die Idee kommen, die neue Gewichtung, wonach die Bedürfnisse des Rotmilans jederzeit Vorrang genießen vor technischen Anlagen, hänge weniger mit der Tierliebe zusammen als mit der Abneigung gegen unschöne Windräder, während andererseits bei der Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete die heimische Fauna eher als Störenfried denn als schützenswertes Gut gesehen wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn Politiker aller Couleur im Kampf gegen Windräder plötzlich grün werden.

Der Tier- und Naturschutz erscheint in diesem Fall als willkommene Waffe gegen unliebsame Entwicklungen, doch umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Während immer dann, wenn für Wohn- und Gewerbegebiete Wälder und Wiesen leiden sollen, die Naturschützer vor Eingriffen warnen, tun sie sich mit dem Protest gegen Windanlagen ungleich schwerer. Was kein Wunder ist, geht es doch um die Umsetzung der Energiewende und um den Klimaschutz, der nicht nur wichtig ist für den Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen.

Windkraft ja, aber doch bitte nicht vor der Haustür! Eine neue Stromtrasse für Ökoenergie? Jederzeit gerne, aber bei uns bitte nicht! Weil das St.Floriansprinzip auch vor energie- und umweltpolitisch sinnvollen Projekten nicht haltmacht, erscheinen Rotmilan und Co. als willkommene Manövriermasse, und das gilt auch für jene Kreise, die einst über das Stuttgarter Tauziehen um den Juchtenkäfer den Kopf schüttelten.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es ist schön, wenn die Tiere und die heimische Natur einen hohen Stellenwert genießen, sofern sie nicht nur Mittel zum Zweck sind. Deshalb braucht es eine objektive, sachliche Abwägung zwischen Fortschritt und Effektivität einerseits und negativen Begleiterscheinungen andererseits, um im Einzelfall zu entscheiden – ob es nun um Windräder geht oder um ein neues Gewerbegebiet.

Zum Thema siehe auch Bericht aus dem Wiernsheimer Gemeinderat auf Seite 9.

Thomas Eier

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