Hut ab!

Von Maik Disselhoff Erstellt: 12. Juli 2019, 00:00 Uhr
Hut ab! Hut ab!

Ganz unterschiedliche Abschiede aus dem Gemeinderat verdienen Respekt

Der Gemeinderat Maulbronn erlebt einen Umbruch. Altgediente Stadträte treten teilweise nach 30 Jahren und mehr ab, weil sie im Mai nicht mehr wiedergewählt wurden oder nicht mehr kandidiert hatten. Ihr langjähriges Engagement verdient Respekt. Insofern ist die Entscheidung des Bürgermeisters Andreas Felchle, Otto Kammerer, Albert Kärcher und Erhard Knittel mit der Verdienstmedaille auszuzeichnen, nachvollziehbar und gerechtfertigt. Respekt verdient aber auch die ganz bewusste Entscheidung von Evelyn Lautenschlager, nach zehn Jahren, also zwei Amtszeiten als Stadträtin, einen Schlussstrich zu ziehen. Sie war im Mai nicht mehr angetreten, weil sie die Überzeugung vertritt, dass die Kommunalpolitik von möglichst vielen Bürgern getragen werden muss.

Demokratietheoretisch ist es durchaus interessant, über eine Begrenzung der Amtszeit von Mandatsträgern im Gemeinderat nachzudenken. Eine häufigere personelle Erneuerung könnte im Idealfall neue Perspektiven auf Probleme und Herausforderungen ermöglichen – schon allein dadurch, dass jedes Ratsmitglied einen anderen Erfahrungshorizont in die Gremiumsarbeit einbringt. Auch was die Wahrnehmung des Rats in der Öffentlichkeit betrifft, könnte eine Obergrenze bei der Amtszeit dazu beitragen, dem Eindruck von Vetternwirtschaft und Kungelei im Rat, den manche Bürger mit Blick auf die Kommunalpolitik haben, entgegenzuwirken.

Lautenschlagers Abschiedsrede wirft eine häufig gestellte Frage auf: Ist es ein Verdienst, wenn ein Mandatsträger jahrzehntelang im Gemeinderat sitzt? Tatsache ist: Ein Ratsmitglied ist in seinem Wohnort immer als solches erkennbar. Bürgervertreter sind Ansprechpartner, die auf der Straße oder beim Einkaufen ein offenes Ohr für die Bürger haben müssen. Zumindest diese Funktion erfüllen alle Gremiumsmitglieder automatisch. Langjährige Mitglieder exponieren sich in dieser Funktion faktisch über viele Jahre. Das Argument, dass manch altgediente Räte bei öffentlichen Sitzungen nie groß in Erscheinung getreten sind, sticht ebenfalls nicht. Wer wenig Eigenmarketing betreibt, kann hinter den Kulissen ein fleißiger Sacharbeiter, Moderator oder Impulsgeber sein. Insofern ist es in jedem Fall ein Verdienst, über Jahrzehnte Ratsmitglied gewesen zu sein. Wer so oft wiedergewählt wird wie Kammerer, Knittel oder Kärcher, der muss immer wieder etwas angestoßen und bewegt haben.

Maik Disselhoff

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