Hück-Liste

Von Thomas Eier Erstellt: 6. Februar 2019, 00:00 Uhr
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Kann der Porsche-Aussteiger Politik?, fragt man sich nicht nur in Pforzheim

Ist Uwe Hück ein Politiker? Mit seiner Ankündigung, den Gemeinderat in der alten und neuen Heimat Pforzheim aufmischen zu wollen, hat der frühere Kampfsportler einen Paukenschlag gesetzt, den die regionale SPD prompt als Tiefschlag wertet. Die Reaktionen sogenannter etablierter politischer Kreise schwanken zwischen routinierter Gelassenheit und verbalem Kopfschütteln, was sich insbesondere auf die Pforzheimer Sozialdemokratie bezieht. Andererseits passt der Alleingang des Parteimitglieds durchaus zu dessen bemerkenswerter Vita, in der die Entschlossenheit, sich durchzuboxen, zu den herausragendsten Merkmalen zählt. Wenn sich ein Uwe Hück mit tiefster Überzeugung etwas vorgenommen hat, kennt er auf seinem Weg weder Freund noch Feind.

Ein solcher Charakter, der es als hemdsärmeliger Anpacker mit eisernem Willen bis ganz nach oben geschafft hat, will weder Mitläufer in einer SPD-Fraktion noch Chefdiplomat sein, und deshalb darf sich der Pforzheimer Gemeinderat, der ohnehin nicht den Ruf überbordender Harmonie genießt, auf einen weiteren Wortführer mit klarer Kante freuen. Umgekehrt wird es im Fall einer Wahl, die nicht wenige für wahrscheinlich halten, spannend sein zu sehen, ob sich mit einer „Hoppla, jetzt komm’ ich!“-Mentalität auf Dauer etwas zum Besseren verändern lässt. Die Hück-Liste soll nach der Vorstellung ihres Namensgebers frei von Parteifesseln die Probleme des Oberzentrums benennen und beackern, allerdings befreit das nicht von den Zwängen, die sich aus der Macht des Faktischen ergeben. Ob es Hück und seinen Mitstreitern gelingen kann, die leere Stadtkasse zu füllen, die (Jugend-)Arbeitslosigkeit einzudämmen und den sozialen Sprengstoff zu entschärfen? An Selbstbewusstsein und der Überzeugung, Positives bewirken zu können, fehlt es dem selbst ernannten Entwicklungshelfer jedenfalls nicht.

Der ehemalige Thaibox-Champion und langjährige Betriebsratschef fühlt sich als Teilnehmer an harten Tarifrunden und Beteiligter an der Übernahmeschlacht mit VW bestens gerüstet für eine tragende Rolle auf dem politischen Parkett, wo allerdings andere Regeln herrschen als in der freien Wirtschaft. Mit einer reinen Hauruck-Einstellung lassen sich weder Kompromisse finden noch Mehrheiten generieren, die es für Weichenstellungen zwingend braucht.

Wer Porsche kann, kann auch Politik? Jedenfalls, würden Spötter sagen, ist der Ratssaal kein Boxring – schon deshalb, weil es beim Boxen fairer zugeht.

Thomas Eier

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