Brückenschlag

Von Thomas Eier Erstellt: 5. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Brückenschlag Brückenschlag

Wie viele Kulturdenkmale kann sich
die Stadt Mühlacker leisten?

Sender oder Brücke? Diese Frage, die ein Leser aus dem Wohngebiet Ulmer Schanz in seiner Zuschrift ans Mühlacker Tagblatt aufgeworfen hat, war prompt auch ein Thema im Gemeinderatsausschuss, wo es um drohende Millionenausgaben für mangelhafte Brückenbauwerke ging. Ein (teures) Denkmal sei genug, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler, Rolf Leo, und machte keinen Hehl daraus, dass er den praktischen Nutzen eines Übergangs für Fußgänger und Radfahrer höher einschätzt als den rein ideellen Wert eines außer Dienst gestellten Sendermasts.

Mit seiner Wortmeldung zielte Leo auf die Folgekosten ab, die sich bei einer gründlichen Sanierung der alten, stählernen Eisenbahnbrücke auf knapp eine Million Euro belaufen, während beim Sender womöglich ähnliches Ungemach drohe. Andererseits gilt: Würde die Diskussion künftig losgelöst vom nostalgischen Hintergrund auf die rein finanzielle Ebene gehoben, ließe sich ebenso trefflich über die Zukunft der alten Eisenbahnbrücke streiten. Ist sie der Stadt eine Million Euro wert?

Tatsächlich hängt die Beurteilung stark von den persönlichen Präferenzen und der persönlichen Betroffenheit ab, und sollte jemand die Bevölkerung tatsächlich vor die Wahl Brücke oder Sender stellen, wären die Mehrheitsverhältnisse in der Ulmer Schanz womöglich ganz andere als im restlichen Stadtgebiet. Gleichzeitig stehen beide Bauwerke, der Stahlmast wie die Stahlbrücke, über ihren reinen Nutzfaktor hinaus für die Geschichte Mühlackers, das als Eisenbahnstadt seine Anfänge nahm und dank des ersten deutschen Großsenders die Stadtrechte verliehen bekam. Wer hier des lieben Geldes wegen nach der Abrissbirne ruft, könnte sich also ruck, zuck den Vorwurf einhandeln, er gehe achtlos mit dem kulturellen Erbe um.

Bloß gut, wird vor diesem Hintergrund manch ein Heimatkundler und Lokalpatriot denken, dass unsere Burgruine Löffelstelz bereits saniert ist …

Spaß beiseite, denn die Frage, welchen Wert (und Preis) die Zeugnisse vergangener Tage haben, birgt eine Menge Brisanz. Man denke an die Debatte um die alten Ziegeleihallen, von denen letztlich nur Bruchstücke erhalten blieben, und vielleicht droht, wenn der Kostenaufwand in keinem Verhältnis mehr steht, dem Sender und stählernen Fußgängersteg das gleiche Schicksal. Sendermast oder Stahlbrücke? Sender und Brücke? Oder keines von beidem?

Thomas Eier

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