Außen vor

Von Thomas Eier Erstellt: 30. Juli 2016, 00:00 Uhr
Außen vor Außen vor

Junge Zuhörer fehlen im Ratssaal

Drinnen schwitzen gestandene Bürger mit den Stadträten um die Wette, draußen sitzen junge Leute im Biergarten und genießen den lauen Sommerabend. Im Ratssaal geht es um die Zukunft des Stadtzentrums, um den Kulturbetrieb und um neue Einkaufsmöglichkeiten, während sich vor der Tür, im Eiscafé, die Gespräche mutmaßlich um ganz andere Dinge drehen. Angesichts der Eindrücke rund um die Sitzung des Gemeinderats in dieser Woche liegt eine Frage auf der Hand: Warum lassen sogar die wichtigsten Weichenstellungen die Generation unter 30 allem Anschein nach kalt?

Wir haben mir Rafael Selinger von der Jugendinitiative Enzkreis über das Thema gesprochen. Lesen Sie das Interview.

Geschätzte 120 Zuhörer drängen sich im Saal und im Foyer, und der überwiegende Teil hat die 50 überschritten. Das mit Abstand jüngste Mitglied des Gemeinderats, Oliver Höhner, ist 38 Jahre alt, aber es muss per se kein Fehler sein, wenn Menschen mit Lebenserfahrung über die Geschicke der Stadt befinden. Von daher kann die Feststellung, wonach die Kommunalpolitik leicht angegraut wirkt, keinesfalls als Vorwurf an interessierte Bürger oder engagierte Stadträte verstanden werden – umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Jungen glänzen, analog zu den Investoren fürs Erlenbach Center, durch Abwesenheit.

 

Die Debatten zu trocken? Die Themen zu sperrig? Es mag anstrengender sein, nach Lösungen für den Mühlehof-Standort zu suchen als nach Pokémon-Monstern, aber andererseits geht es um Entscheidungen, die – denken wir an die Grundsatzfrage von Kultur oder Kommerz – auch „die Jungen“ beschäftigen sollten. Es sei denn, sie hätten mit der Heimatstadt generell nicht viel am Hut, doch gegen diese fatalistische These spricht das Engagement, das junge Leute außerhalb des Ratsaals bei den verschiedensten Anlässen an den Tag legen.

 

Ob 16 oder 86, zum Thema Mühlehof/Erlenbach Center dürfte jeder eine Meinung haben. Schade nur, dass sich die Jüngeren – wenn überhaupt – höchstens über Facebook zu Wort melden und in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle spielen. Aber vielleicht gibt ja die großangelegte Einwohnerbefragung, die alle Altersschichten einbezieht und eben ausgewertet wird, Hinweise darauf, was sich andere Bevölkerungskreise als das klassische Mühlehof-Publikum für die Zukunft ihrer Stadt erhoffen.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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