Augen zu?

Von Thomas Eier Erstellt: 20. Februar 2019, 00:00 Uhr
Augen zu? Augen zu?

Für Stadthalle und Schulen stehen
gewaltige Summen im Raum

Dem neuen Mühlacker Gemeinderat, der zumindest teilweise der alte sein wird, könnte für die Zeit nach der Wahl Ende Mai schon angst und bange werden angesichts der Summen, die für diverse Großprojekte im Raum stehen. So deutet sich inzwischen an, dass für eine neue Stadthalle weder zehn noch
15 Millionen Euro ausreichen werden, während für die Sanierung und den Ausbau des Schulzentrums Lindach ebenfalls ein zweistelliger Millionenbetrag gehandelt wird, der sich eher in Richtung der 20 als nahe der Zehn bewegt. Auch wenn es sich bislang nur um grobe Hausnummern handelt, verheißen solche Beträge nichts Gutes für die Haushaltslage der Stadt, die netto – also ohne die beim Eigenbetrieb Freibad aufgenommenen Kredite – ohnehin mit etwa 18 Millionen Euro verschuldet ist.

Was aber tun? Die Aufgaben und damit auch die Ausgaben sind vorgegeben, und wer wollte schon an einer soliden Stadthalle mit angemessenem Saal oder an funktionierenden Schulen rütteln? Also: Augen zu und durch? Diese Strategie wäre dann doch zu einfach, aber die Augen zu verschließen vor der Realität kann ebenfalls zu einem bösen Erwachen fühlen. Nach den Erfahrungen mit der neuen Feuerwache würde der unbedarfte Beobachter dazu raten, das Investitionsvolumen lieber gleich etwas höher anzusetzen und sich später über Einsparungen zu freuen, als in der Bauphase mehrfach nachlegen zu müssen, weil der Ansatz komplett daneben lag.

Mag sein, dass sich – bei der Stadthalle wie den Schulen – im Detail noch etwas abspecken lässt, doch hier wie dort kann niemandem daran gelegen sein, grundlegende Abstriche bei der Qualität zu machen, die danach als Dauerärgernis für Unzufriedenheit sorgen. Es geht um Projekte, die mutmaßlich länger überdauern sollen als der Mühlehof, der mit seinen knapp 40 Jahren vielen noch zu jung für einen Abriss erschien.

Die Befürworter eines neuen Gewerbegebiets werden zur Refinanzierung auf die Wichtigkeit von Steuereinnahmen verweisen, während sonstige Einnahmequellen – wie der Verkauf von Grundstücken auf dem Ziegeleigelände und am Lienzinger Tor – nicht ausreichen werden, um die Löcher zu stopfen. Wichtig sind für die Zukunft vor allem solide Planungen, und das gilt für die baulichen Aspekte und die Ausstattung genauso wie für den finanziellen Rahmen. Der Eindruck, wonach Kalkulationen bei öffentlichen Bauten eher eine vage Orientierung als klare Zielvorgabe sind, sollte sich nicht verfestigen. Trotz neuer Feuerwache und anderen Negativbeispielen von Stuttgart bis Berlin.

Thomas Eier

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