Abschreckend?

Von Thomas Eier Erstellt: 14. März 2019, 00:00 Uhr
Abschreckend? Abschreckend?

Stadt Knittlingen beschäftigt sich mit der Frage einer Videoüberwachung

Videoüberwachung an Brennpunkten, das klingt nach Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Pforzheim – kurz: nach Großstadt. Von daher lässt es aufhorchen, wenn sich nun eine insgesamt beschauliche Kommune wie Knittlingen ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt. Hier gibt es weder ein Bahnhofs- noch ein Rotlichtviertel, und von einer offenen Drogenszene oder schwerer Straßenkriminalität ist ebenfalls nichts bekannt. So geht es den Verfechtern vorrangig darum, mit modernster Technik Vandalen, Raser und andere Störenfriede abzuschrecken beziehungsweise, wenn der präventive Charakter versagt, über Videoaufnahmen zu ermitteln.

Klingt auf Anhieb, als würde mit Kanonen auf Spatzen geschossen, denn unabhängig von den Hardware-Kosten und dem personellen Aufwand für die Auswertung der Bilder hat ein wachsames Kameraauge auch in anderer Hinsicht seinen Preis. Einerseits mag es dem subjektiven Sicherheitsgefühl dienen, wenn der Bürger an neuralgischen Punkten, von denen es in Knittlingen naturgemäß nicht allzu viele gibt, eine gewisse Absicherung verspürt – doch andererseits gibt es nicht umsonst hohe rechtliche Hürden, weil die Vision von Big Brother nicht jedem behagt. Zumal in einer Kleinstadt, in der es zwangsläufig weniger anonym zugeht. In Knittlingen zielt die Diskussion nicht auf Täter ab, die in den Menschenmassen eines Hauptbahnhofs unerkannt ihr Unwesen treiben oder ihren Opfern in Fußgängerpassagen und dunklen Unterführungen auflauern, sondern auf Delikte, die mehrheitlich in den Bereich der Ordnungswidrigkeit fallen. Ist da eine Videoüberwachung verhältnismäßig?

Bürgermeister Heinz-Peter Hopp gehört spätestens seit der Auflösung des örtlichen Polizeipostens 2005 zu den lautstärksten Kritikern der Landespolitik, die mit ihrem Sparkurs der Verunsicherung in der Bevölkerung Vorschub leiste. Zu wenig Polizeipräsenz vor Ort lautet der Vorwurf, und analog zu Mühlacker, Illingen und anderen Gemeinden hat sich Knittlingen deshalb schon Mitte 2016 zum Auftrag an einen privaten Sicherheitsdienst entschlossen, der seither im Stadtgebiet patrouilliert.

Die Sachbeschädigungen, Vermüllungen, Graffiti-Schmierereien und illegalen Autorennen hat auch die City-Streife nicht schlagartig unterbinden können, und vielleicht müssen Städte und Gemeinden ja ein Stück weit mit solchen Auswüchsen leben. Denn egal, wo eine Kamera installiert wird, es wird in Knittlingen weiterhin unbeobachtete Ecken geben – hoffentlich, werden selbst unbescholtene Bürger sagen.

Thomas Eier

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