Absagen?

Von Thomas Eier Erstellt: 10. März 2020, 00:00 Uhr
Absagen? Absagen?

Veranstalter sind verunsichert und warten nicht selten einfach ab

Passt das Programm? Wie viele Besucher sind zu erwarten? Organisation, Logistik, Sicherheit – an alles gedacht?

Mit solchen und ähnlichen Fragestellungen mussten sich in der Vergangenheit die Organisatoren von Großveranstaltungen beschäftigen, die zurzeit noch ganz andere Sorgen haben. Die Ausbreitung des Coronavirus macht die Planungen zum Vabanque-Spiel, und nach den jüngsten Empfehlungen von Bundes- und Landesgesundheitsminister wiegt die Verantwortung umso schwerer. Vorerst, so der Rat der Gesundheitspolitiker, sollten alle Events mit über 1000 Besuchern abgesagt werden – doch sollen heißt nicht müssen.

Solange Politik und Behörden keine eindeutigen Vorgaben machen, liegt die Entscheidung – und damit der Schwarze Peter – bei Vereinen und Veranstaltern, die mehr oder minder nach Gefühlslage abwägen müssen. Wie wird die Lage am Wochenende aussehen und wie in vier oder sechs Wochen? Verlässliche Prognosen gibt es nicht, doch andererseits lassen sich größere Events wie eine Messe, weil die Teilnehmer Zeit und Geld investieren, auch nicht erst am letzten Tag kippen. Wann aber ist, zum Beispiel im Fall der Messe Mühlacker, der richtige „Zeitpunkt X“ gekommen? Wer entscheidet und übernimmt im Zweifelsfall die Verantwortung für das Gesundheitsrisiko? Der örtliche Gewerbeverein? Ein Profi-Veranstalter, der davon lebt? Die Kommune, weil sie der Hausherr ist?

Wegen der diffusen Ausgangslage schwanken bisher viele Organisatoren zwischen trotziger Auflehnung gegen die Macht des Virus’ und dem Bemühen, der Verbreitung des Erregers nicht zusätzlich Vorschub zu leisten. Im Übrigen ist die Entscheidung, ob ein Event den Empfehlungen zum Trotz stattfinden soll, nur eine Seite der Medaille, denn genauso wichtig ist, wie bei einer weiteren Zuspitzung das Publikum reagiert. Droht am Ende eine leere Halle, weil sich niemand getraut zu kommen?

Die Gefährdungs- und Stimmungslage ist kaum abzuschätzen, weil sie sich täglich, ja fast stündlich ändern kann. Deshalb warten viele, die erst in ein paar Wochen dran sind, zunächst ab und bauen darauf, dass sich die Lage
im bevorstehenden Frühling automatisch entspannt – oder Politik und Behörden ein klares Verbot aussprechen.

Thomas Eier

Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Thomas.Eier@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Kulturkampf

Kulturkampf

Künstler und Kunstfreunde müssen sich auf neue Wege einlassen. Der Begriff Kulturkampf wird den meisten noch aus dem Geschichtsunterricht im Gedächtnis geblieben sein. Er meint den Konflikt zwischen Preußen und… »