Video: Zu Besuch in Friseur-Salons nach der Corona-Pause

Friseure und ihre Kunden nehmen die neuen Bedingungen mit Masken-Pflicht und erhöhten Sicherheitsauflagen an. Trockenschnitt ist bis auf weiteres passé. Auch Wartezeiten im Geschäft müssen gemäß der landesweiten Verordnung vermieden werden.

Von Maren Recken Erstellt: 15. Mai 2020, 11:15 Uhr
Video: Zu Besuch in Friseur-Salons nach der Corona-Pause Friseurtermin in Corona-Zeiten: Winfried Pflüger ist darauf eingestellt. Foto: Recken

Mühlacker: „Die Maske, vor allem die Maske . . . Wenn man die einen ganzen Tag trägt, ist das sehr unangenehm“, sind sich die befragten Friseure schnell einig, was bei der Arbeit unter Corona-Bedingungen am gewöhnungsbedürftigsten ist.

„Das Atmen ist mit Maske schon viel schwerer“, erzählt Elvira Federl, die in Dürrmenz ein Haarstudio betreibt, während sie einer Kundin die Haare blondiert. Beide mit Maske. Ohne ist keine Option, sonst drohen Konsequenzen bis hin zur Ladenschließung. „Unser Azubi hat durch das Arbeiten mit der Maske schon einen Schwächeanfall bekommen“, berichtet Claudia Tischhauser-Schwach. Vor ihrem Salon an der Mühlacker Bahnhofstraße wartet geduldig ein Herr auf den Haarschnitt – auch das ist eine der neuen Regelungen. Die Wartebereiche in den Salons wurden ebenso abgeschafft wie die Lektüre diverser Magazine. Das Virus soll möglichst wenig Gelegenheit haben, sich zu übertragen; weder direkt von Mensch zu Mensch noch über berührte Oberflächen.

Vor dem Salon – hier noch ohne Maske – nimmt es der Kunde gelassen, und das gilt sowohl für das Warten draußen als auch die Maskenpflicht drinnen. „Wenn man sich an die Regeln hält, dann klappt das alles gut. Und es wird Zeit, dass die Haare kürzer werden.“ Dafür nimmt er gerne in Kauf, dass er erst dann in den Salon darf, wenn der Kunde vor ihm wieder draußen ist, dass er sich die Hände desinfizieren und sich vor dem Haarschnitt die Haare waschen lassen muss. Der von vielen geschätzte Trockenschnitt ist in Corona-Zeiten passé. Dafür müssten die Friseure während fast aller Arbeiten Handschuhe tragen, erzählt Elvira Federl. Außer zum Schneiden der frisch gewaschenen Haare.

Dass sie und die anderen zu Recherchezwecken befragten Friseure überhaupt so gesprächig sind, ist unter den derzeitigen Auflagen sowieso eine Sondersituation und einzig der Recherche geschuldet. „Wir sollen ja kaum reden, keinen Small Talk halten, sondern uns auf die Arbeit und die dafür notwendigen Gespräche konzentrieren“, schildert Federl den neuen Alltag im Salon. Die Veränderungen stechen überall in den Räumlichkeiten ins Auge: Bürsten, Schere und Co werden regelmäßig desinfiziert, und um die geforderten Abstände zwischen den Kunden einhalten zu können, haben die meisten Salons Stühle entfernt oder trennende Plexiglasscheiben und Paravents zwischen die Kundenplätze gestellt.

Gearbeitet wird meist im Zweischichtbetrieb; zum einen, weil weniger Kunden gleichzeitig im Salon sein dürfen und damit auch weniger Personal benötigt wird, zum anderen, weil sich das Ansteckungsrisiko fürs Personal reduziert, wenn die Mitglieder beider Schichten nicht in Kontakt kommen. Trotz aller einschränkenden Regeln überwiegt insgesamt die Freude darüber, wieder arbeiten zu können. „Es ist ja zum Schutz unserer Kunden und zu unserem eigenen Schutz“, findet Elvira Federl. „Wenn wir es kriegen würden, müssten wir ja wieder zumachen.“

Um das zu vermeiden, arrangieren sich Kunden wie Friseure mit den neuen Gegebenheiten und entwickeln Ideen, diese bestmöglich umzusetzen. Wilfried Pflüger, der mehrere Salons betreibt, einen davon in Wiernsheim, hat daher seine Schutzmaske durch einen Schutzschild aus Plexiglas ersetzt. „Die Version, die ich gewählt habe, schließt über den Augen so dicht ab wie eine Skibrille, liegt an den Backen sehr dicht an und hat unter dem Kinn eine nach innen gebogene Kante“, zählt er die Vorteile seines Masken-Ersatzes auf. „Dann kann nichts rein und nichts raus.“

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