Sportszene hofft auf Lockerungen

Von Landes-Sportministerin macht vor Konferenz Druck – Vereine hoffen auf Wiedereinstieg in den Trainingsbetrieb Erstellt: 6. Mai 2020, 09:16 Uhr

Während in Baden-Württemberg zum Schutz vor dem Coronavirus Sportstätten geschlossen sind, gelten andernorts andere Regeln. In Schleswig-Holstein etwa dürfen Amateurkicker unter Auflagen wieder trainieren. Lockerungen sind nun auch hierzulande in Sicht.

Enzkreis. „Nach Rücksprache mit dem Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV) können wir erfreulicherweise mitteilen, dass die Wiederaufnahme des Fußball-Trainingsbetriebs ab heute unter Auflagen wieder möglich ist“, hieß es an diesem Dienstag auf der Internetseite des Fußballverbands im nördlichsten deutschen Bundesland. In Baden-Württemberg sieht die Sache derzeit noch ganz anders aus, denn hier sind die Sportstätten wegen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus bis zum 15. Juni gesperrt – und damit ist nach jetzigem Stand kein Amateur- und Breitensport möglich.

Das könnte sich aber bald ändern, denn die baden-württembergische Sportministerin Dr. Susanne Eisenmann fordert, wie berichtet, eine zeitnahe Lockerung der Beschränkungen. Der Beschluss der Sportministerkonferenz mit Empfehlungen zur Wiederaufnahme liege seit einer Woche vor, erklärte sie eingangs der Woche. Ihr leuchte nicht ein, warum kontaktfreie Trainings- und Übungsangebote von Sportvereinen im Freien unter Einhaltung strenger Abstands- und Hygieneregeln weiterhin nicht ausgeübt werden dürften. Das sei den Menschen auch nicht mehr vermittelbar, weshalb Eisenmann den Druck auf die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin erhöhte, die an diesem Mittwoch erneut einen Corona-Gipfel abhalten werden. Falls dieses Thema dabei nicht behandelt werde, müsse das Land einen eigenen Weg gehen. „Ein Konzept für die Wiederaufnahme des Sports an der frischen Luft haben wir bereits erarbeitet.“

Dazu meldete sich gestern der Sportkreis Ludwigsburg zu Wort. Die Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus habe die Vereine wie auch alle anderen Institutionen lahmgelegt, deren Kernfeld die Gemeinschaft von Menschen sei, heißt es in einer Mitteilung, in der auch Präsident Matthias Müller zitiert wird: „Wir setzen darauf, dass noch diese Woche die Grundlagen für erste individuelle Wiedereinstiegskonzepte gelegt werden.“

Philippe A. Singer, der bei der Landtagswahl im kommenden Jahr für die CDU im Enzkreis ins Rennen gehen will, begrüßt die Ankündigung der Ministerin, dass das Land eigene Wege gehen wolle, sollte das Thema Breitensport im Freien bei der Konferenz nicht diskutiert werden – zumal ab morgen Einrichtungen wie Museen wieder öffnen dürften. Allerdings, bemerkt Singer, seien in manchen Bereichen kleine Lockerungen nicht hilfreich. Im Pferdesport etwa, wo Tiere auch in der Krise bewegt werden müssten, müsse es Vereinen erlaubt werden, Unterricht zu geben. Denn während solche Einnahmen wegen der Beschränkungen zuletzt weggebrochen seien, müssten die Vierbeiner weiterhin verpflegt werden – die Kosten für Futter und Personal seien geblieben, „einsparen lässt sich aktuell nichts“.

Ein anderes Beispiel, bei dem sich Verbände und Vereine im Land Lockerungen erhoffen, ist die Sportart Tennis, bei der die Spieler nicht direkt im Kontakt zueinanderstehen und Abstandsregeln jederzeit einhalten können. Nicht zuletzt deshalb hat sich kürzlich der Trainer Erick Silva, der die Tennisfreunde Lienzingen, den Tennis-Club Mönsheim, den TC Rot-Weiß Lomersheim, den TC Enzberg sowie Privatleute betreut, in unserer Zeitung für eine Wiederaufnahme seines Sports ausgesprochen. „Von einer Grundlinie zur anderen sind es etwa 24 Meter“, sagte er, und selbst, wenn beide Spieler nah am Netz stünden, werde der Mindestabstand immer eingehalten. „Außerdem geht vom Spielgerät keinerlei Kontaminationsgefahr aus.“

Gert Meier, Vorsitzender von RW Lomersheim, pflichtet Silva bei. Trotzdem will er nicht zu viel fordern. Er wünsche sich, dass die rund 60 Sportler seines Vereins unter Beachtung sämtlicher Regeln zum Infektionsschutz „wenigstens wieder untereinander spielen dürfen“, sagte er.

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Etwas schwieriger gestaltet sich die Sache im Fußball, der von Zweikämpfen lebt und bei dem es deshalb – zumindest im Ligabetrieb – nicht ohne Körperkontakt geht. Während die Profis in Kleingruppen schon länger trainieren und möglicherweise bald wieder spielen dürfen, bleibt den Amateuren bislang nur, sich mit Waldläufen fit zu halten. „Das macht auf die Dauer keinen Spaß“, zeichnet Simon Roller, Trainer von Phönix Lomersheim, das Stimmungsbild in seiner Mannschaft. Nach der wochenlangen Pause seien alle heiß darauf, endlich wieder das zu tun, was sie am liebsten täten: „Die Spieler wollen unbedingt mal wieder gegen einen Ball treten und den Rasen riechen.“ Und auch der Coach hofft auf eine Entscheidung, die das ermöglicht. Die Voraussetzungen dafür seien am Wässerle gegeben, betont er. „Wir haben zwei Plätze zur Verfügung und könnten uns so gut verteilen.“

Wie es mit dem Spielbetrieb weitergehen soll, dazu will Simon Roller keinen konkreten Wunsch äußern. „Es gibt viele Szenarien zu einem Abbruch oder einer Fortführung der Saison, aber ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die das entscheiden müssen.“ Die Spielzeit 2019/20 allerdings in wenigen Wochen durchzupeitschen, hält er jedenfalls für nicht praktikabel. „Da müssten wir zweimal pro Woche spielen“ – eine große Belastung, zumal Amateurkicker in der Regel einen Beruf ausübten oder mit dem Studium beschäftigt seien. Nichtsdestotrotz: „Wie auch immer es kommt, wir werden es mittragen.“

Dass die Sportvereine bereit sind, die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen, hebt auch der Sportkreis Ludwigsburg hervor. Notwendig dafür sei aber nicht nur die finanzielle Unterstützung, „sondern auch die Gewährung der Möglichkeit, schrittweise wieder in einen Sport- und Vereinsbetrieb einsteigen zu können – selbstverständlich unter strengster Berücksichtigung der jeweils gegebenen Randbedingungen, die die Corona-Pandemie derzeit und aller Voraussicht nach noch einige Zeit unzweifelhaft schreibt“, heißt es in einer Mitteilung.

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