Mögliche Folgen des Mühlehof-Abrisses

Organisatoren von Großveranstaltungen im Stadtzentrum beschäftigen sich mit den möglichen Folgen des Mühlehof-Abrisses

Von Thomas Eier Erstellt: 5. Dezember 2017, 00:00 Uhr
Mögliche Folgen des Mühlehof-Abrisses Welche Veranstaltung muss wann umziehen? Der geplante Mühlehof-Abriss und die Frage, wie es im Stadtzentrum weitergeht, bereiten den Organisatoren Kopfzerbrechen. Foto: Kollros

Der Mühlacker Weihnachtsmarkt ist zu Ende gegangen – mutmaßlich der letzte zu Füßen des Mühlehofs, der nach dem Willen der Stadt im neuen Jahr abgerissen werden soll. Für die Organisatoren der Veranstaltungen im Zentrum stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll.

Mühlacker. Vieles erscheint momentan noch unklar, andererseits steht bis auf weiteres der enge Zeitplan, der sich am Beschluss des Gemeinderats vom 4. Juli orientiert. Demnach soll der Abbruch im neuen Jahr über die Bühne gehen, um danach möglichst nahtlos mit dem Bau einer neuen Stadthalle beginnen zu können. „Die Ausschreibung für den Abriss wird derzeit vorbereitet“, ließ am Montag der Leiter des städtischen Gebäude- und Grundstücksmanagements, Konrad Teufel, mitteilen. Voraussichtlich im Februar, hieß es im Rathaus, komme das Thema wieder auf die Tagesordnung des Gemeinderats.

Wichtig wären Fortschritte in den Planungen nicht zuletzt für die Veranstalter, die sich auf neue Bedingungen am Kelterplatz einstellen müssen – ein vieldiskutiertes Thema auf dem Weihnachtsmarkt, dem der Mühlehof, der lange Jahre Schauplatz des Kunsthandwerkermarkts war, zuletzt nur mehr als verlassene Kulisse diente. Wo also könnte, würde der Kelterplatz nicht zur Verfügung stehen, der Weihnachtsmarkt 2018 stattfinden? „Die beste Alternative“, hat Frank Veit als einer der langjährigen Mitstreiter bereits vorausgedacht, „wäre im Wertle.“ Am Maulbeerbaumplatz auf dem ehemaligen Gartenschaugelände, lässt er durchblicken, wäre im Zweifelsfall genügend Platz für die rund 40 Stände.

Ob der Umzug im kommenden Jahr wirklich notwendig wird, weiß der Aussteller, der wie die allermeisten Standbetreiber rundum zufrieden ist mit der Neuauflage 2017, jedoch nicht. Nach der Grundsatzentscheidung zur Stadtmitte im Juli ist es ruhig geworden um das Thema, und während es seither nicht mehr auf der Tagesordnung des Gemeinderats erschien, zerbricht sich die Verwaltung hinter den Kulissen den Kopf über die weiteren Schritte. Wie berichtet, sind für den Mühlehof-Abbruch 1,4 Millionen Euro im Haushalt angemeldet, und die erste Etappe wäre, die Arbeiten auszuschreiben. Davon, ob und wie schnell eine geeignete Firma gefunden wird, die eine Aufgabe in dieser Größenordnung stemmen kann, hängen letztlich die weiteren, sichtbaren Fortschritte ab. Technisch gesehen ist der Abriss eine Herausforderung bis hin zu der Frage, was aus der Tiefgarage werden soll und ob ihre Decke überhaupt mit schwerem Gerät befahren werden kann. Was die Verhandlungen mit potenziellen Investoren für eine neue Bebauung betrifft, ist ebenso vieles in der Schwebe wie hinsichtlich der Überlegungen, der Enzkreis könnte seine Mühlacker Einrichtungen – Kfz-Zulassungsstelle, Jobcenter und Beratungsstellen – in einem Neubau am Kelterplatz konzentrieren. „Die Stadt ist mit möglichen Kooperationspartnern in engem Kontakt, dazu gehören auch Banken und das Landratsamt“, sagt Amtsleiter Teufel.

Während die Gespräche laufen, erscheint die Vorstellung, am Kelterplatz könnten Großbaustelle und Großveranstaltungen eine partnerschaftliche Symbiose eingehen, auf Anhieb wenig realistisch, weshalb umgedacht werden muss. Nächster Termin in der Stadtmitte wäre die Premiere des Glühweinfestes am 26. Januar. Bis dahin dürfte sich kaum etwas tun, doch deutlich spannender könnte es bis Anfang Mai werden, wenn wieder gemeinsam der „Mühlacker Frühling“ und der Mahle-Stadtlauf auf dem Programm stehen. Für Mitte Juni bis Mitte Juli ist das Public Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft ins Auge gefasst, und der Triathlon, der in diesem Jahr für den Zieleinlauf den Kelterplatz in Beschlag nahm, findet am 22. Juli statt. Auch das Weinfest am Konrad-Adenauer-Platz, das nach der erfolgreichen Premiere wieder Ende Juli stattfinden soll, wäre durch einen Mühlehof-Abriss möglicherweise tangiert. Im November ist Martinimarkt – und danach schon wieder Weihnachtsmarkt.

„Für manche Veranstaltungen“, gibt Citymanager Rolf Watzal zu bedenken, „haben wir ein Jahr Vorlaufzeit.“ Deshalb hat er sich ebenfalls schon – theoretische – Gedanken über mögliche Ausweichquartiere gemacht; zum Beispiel darüber, ob ein Teil des Geschehens vom Kelterplatz ans andere Ende der Innenstadt, auf das Areal Lienzinger Tor, verlagert werden könnte. „Wir haben in der Innenstadt nicht viele große Plätze und Flächen“, stellt der Hauptorganisator der wichtigsten Großveranstaltungen fest, der gerne frühzeitig die Weichen stellen würde. „Bislang gibt es noch keine Infos über eventuelle Zeitschienen und Belegungsmöglichkeiten.“

Auch ein weiteres Jahr mit Mühlehof scheint nicht ausgeschlossen, sollte es für die Vorbereitungen mehr Zeit brauchen als gedacht. Ansonsten gilt: „Die Verwaltung beabsichtigt, die Abrissarbeiten mit möglichst geringen Einschränkungen für alle Beteiligten durchzuführen“, wie es in der Stadtverwaltung heißt. Wie genau das in der Praxis aussehen soll, könnte allerdings erst im April feststehen, wenn der Gemeinderat die Abbrucharbeiten vergeben soll.

Thomas Eier

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