Stadt Mühlacker will neue Kulturhalle bauen

Beratung nach der Besichtigung des Mühlehofs zeigt eine eindeutige Tendenz – Beschluss soll vor der Sommerpause gefällt werden

Von Thomas Eier und Thomas Sadler Erstellt: 18. Mai 2017, 00:00 Uhr
Stadt Mühlacker will neue Kulturhalle bauen Der mutmaßlich letzte Gang durch den Mühlehof: Nach der Besichtigung des Gemeinderats und einer internen Beratung gibt es klare Signale für einen raschen Abriss und Hallenneubau. Foto: Fotomoment

Noch vor der Sommerpause will der Mühlacker Gemeinderat den Beschluss zum Bau einer neuen Stadthalle am Kelterplatz fällen. Das ist das Ergebnis einer internen Beratung im Anschluss an die Besichtigung des Mühlehofs, der möglichst rasch abgerissen werden soll.

Mühlacker. Der Rundgang am Dienstagabend durch den Mühlehof hat offenbar Eindruck hinterlassen. Etwa Eineinviertelstunden hat der Gemeinderat anschließend noch über die Zukunft des Stadtzentrums diskutiert und dabei die wichtigsten Weichen gestellt. „Es sieht auch nicht nur nach einer mehrheitlichen, sondern nach einer gemeinsamen Entscheidung aus“, beschrieb Oberbürgermeister Frank Schneider eine klare Tendenz im Gremium in Richtung eines einstimmigen Votums.

Nicht nur das: Was die Umsetzung der gemeinsamen Strategie für einen Neuanfang betrifft, drückt der Gemeinderat, weil die Kredite billig sind und die Steuereinnahmen sprudeln, mächtig aufs Tempo. Während die Fachleute im Rathaus für die Ausschreibung der Abbrucharbeiten und den Abriss mit anderthalb Jahren rechnen, würden manche Wortführer im Gemeinderat den Neuanfang gerne noch deutlich schneller einläuten. „Wir brauchen eine wirtschaftliche Lösung“, sagt Rolf Leo, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, die lange am Mühlehof festgehalten hatten, „und das heißt aus unserer Sicht: Abbruch und Neubau einer Stadthalle und das möglichst schnell.“

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Einen konkreten Termin für die Beschlussfassung gibt es noch nicht, dafür aber klare Signale, dass das Thema nicht (mehr) auf die lange Bank geschoben werden dürfe. Für ein rasches Verfahren sprechen, wie CDU-Fraktionschef Günter Bächle deutlich macht, neben den günstigen fiskalischen Rahmenbedingungen weitere Gründe. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen an alle Bevölkerungskreise, die am Kelterplatz einen Kulturbetrieb in einem neuen Saal wollten, und hinzu kämen technische Aspekte, weil dann, wenn das Gelände nach einem Mühlehof-Abbruch brachliegen würde, die Tiefgarage aufwendig befüllt werden müsste, damit sie nicht aufschwemmt. Von daher, so Bächle, sei ein nahtloser Übergang von den Abriss- zu den Neubauarbeiten wünschenswert. Seinem Zeitplan nach könnte der Bau der neuen Halle in etwa einem Jahr beginnen, während Rolf Leo eine Eröffnung Anfang 2019 nicht für utopisch hält.

Zuvor müssen nicht nur die Finanzierung und der genaue Standort geklärt werden, sondern auch Form und Ausstattung. Während Rolf Leo eine „multifunktionale Stadthalle“ fordert, die verschiedene Kulturangebote und Veranstaltungen auch für junge Leute erlaubt, warnt Thomas Knapp (SPD) vorsorglich vor einer Billiglösung in Form einer „primitiven Mehrzweckhalle“. Ein Neubau, pflichtet Knapp den anderen Fraktionssprechern bei, sei der richtige Weg. Neben einer „ordentlich ausgestatteten Kulturhalle“ könnte er sich ein weiteres Gebäude auf dem Areal des Mühlehofs mit Wohnungen und/oder Dienstleistern und Gastronomie vorstellen.

Für FDP-Chef Dr. Jens Hanf ist es bei der Planung der neuen Stadt- oder Kulturhalle ein wichtiges Anliegen, dass sie auch für Bandauftritte für das jüngere Publikum zur Verfügung steht und das Nutzungsspektrum breiter ausfällt als beim Mühlehof. Was neben der Halle zu einer Belebung beitragen könnte, da zeigt sich die FDP – ähnlich wie die anderen Fraktionen – offen. Falls sich ein Investor finden würde, meint Hanf, wäre ein Hotel „super“, aber auch Wohnungen und Büros könnten eine sinnvolle Variante sein.

LMU-Sprecherin Dr. Ulrike Fuchs fände ein weiteres Hotel in der Stadtmitte ebenfalls gut und fordert wie ihre Kollegen ein Kulturangebot für jüngere Leute. Allerdings sei es ihrer Fraktion wichtig, dass eine neue Veranstaltungsstätte „nicht viel teurer als sechs Millionen Euro“ werde.

In diesem Punkt könnten die Meinungen auseinandergehen, im Grundsatz sind sich die Fraktionen aber einig. Wie bereits aktuell berichtet, hatten sich die Stadträte in einem etwa anderthalbstündigen Rundgang durch den Mühlehof nochmals ein Bild vom Zustand des Objekts gemacht, das vor 35 Jahren eröffnet worden war und stark unter dem Stillstand der letzten Jahre gelitten hat. Mit der Entscheidung für eine neue Halle, die sich schon in den Wortmeldungen während des Rundgangs abzeichnete, sind die Tage des Mühlehofs gezählt, von dem viele Besucher nur die Veranstaltungssäle und die Foyers kennen, während sich die gravierenden Mängel in den Technikräumen, in den leerstehenden Ladenzeilen und hinter Decken und Wänden verbergen. Unter diesen Vorzeichen liegt der Entschluss zum Neuanfang ganz auf der Linie von Hans-Dieter Slobodkin, Vorsitzender des Gewerbe-, Handels- und Verkehrsvereins, der eine Sanierung skeptisch gesehen hätte und sich darüber freut, dass es Fortschritte im Zentrum geben soll.

Er könne sich, so der GHV-Vorsitzende, eine neue Halle am Kelterplatz gut vorstellen, die gegebenenfalls durch ein privat finanziertes Nebengebäude ergänzt werden könnte. „Vielleicht gibt es darin doch die Möglichkeit für neuen Handel oder einen Fachmarkt“, mutmaßt Slobodkin und erinnert beispielhaft an das Interesse der Drogeriemarktkette Rossmann am gescheiterten Erlenbach-Center. Auch ein Gebäude mit mehreren Nutzungen – unten Geschäfte, oben Büros oder Praxen, städtische oder öffentliche Einrichtungen oder seniorengerechtes Wohnen – könnte sich der Gewerbevereinsvorsitzende vorstellen: „Wichtig ist, dass etwas passiert.“

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