Neue Ideen für das „Mühlehof-Loch“

Karlsruher Architektur-Studenten entwerfen Konzepte für ein „Stadthaus“ – Dozent Andreas Krüger kennt sich aus in Mühlacker

Von Thomas Eier Erstellt: 23. November 2019, 00:00 Uhr
Neue Ideen für das „Mühlehof-Loch“ Offene Wunde im Herzen der Stadt: Wo bis zum Abriss vor einem Jahr der Mühlehof stand, wartet eine Fläche in zentraler Lage auf eine Wiederbelebung durch den Bau einer neuen Stadthalle. Foto: privat

Eine Gruppe Studenten am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat unter Regie ihres Dozenten Andreas Krüger, der die Mühlacker Verhältnisse bestens kennt, Visionen für ein „Stadthaus“ am Mühlehof-Standort entwickelt.

Mühlacker. Die ursprüngliche Zielsetzung eines nahtlosen Übergangs nach dem Mühlehof-Abriss ist längst passé, und angesichts neuer Prioritäten und weiterer teurer Vorhaben – Stichwort: Modernisierung des Schulstandorts Lindach – erscheint ein rascher Neuanfang im Zentrum mehr als fraglich. Nichtsdestotrotz kann es nicht schaden, sich Gedanken zu machen und Ideen zu sammeln, die im konkreten Fall Karlsruher Studenten liefern.

Für Dozent Andreas „Tracy“ Krüger, der im Studiengang „Building Lifecycle Management“ den Anstoß zu einer Semesterarbeit mit realem Hintergrund gab, lag der Bezug zu Mühlacker auf der Hand. Der 55-jährige Diplomingenieur und selbstständige Architekt mit Büro in Stuttgart ist in Lomersheim aufgewachsen, hat als Abiturient am Theodor-Heuss-Gymnasium die Hoch-Zeiten eines florierenden Mühlehofs erlebt und sich nach dem schleichenden Niedergang mit der Frage beschäftigt, was anstelle des Kupferkolosses in die Stadtmitte passen würde. Umso mehr, seit er vor zwei Jahren den Zweitwohnsitz in die alte Heimat Mühlacker verlegte und hier regelmäßig mit der offenen Wunde am Kelterplatz konfrontiert wird. „Das Mühlehof-Thema“, so Krüger, „ist offensichtlich, und es ist immer gut, sich Inspirationen zu holen.“

Seine Master-Studenten, die sich teilweise in Zweierteams an die Arbeit machten und letztlich neun Entwürfe vorlegten, stehen für den neutralen Blick von außen, wenngleich sie sich in der Vorbereitung mit der Situation vor Ort vertraut gemacht haben. Die Besonderheit sei, so ihr Mentor, dass im ersten Schritt der Standort Mühlacker und Umgebung gründlich analysiert worden sei, um auf dieser Basis bauliche Vorschläge unterbreiten zu können, die sich nicht allein um eine neue Stadthalle drehen. „Basierend auf der Analyse wurde ein Raumprogramm entwickelt“, schildert Krüger das Verfahren. Darüber hinaus habe er bewusst wenige Vorgaben gemacht, um die Kreativität der Nachwuchsplaner nicht zu beschneiden. „Dadurch gibt es ganz unterschiedliche und einige sehr spannende Lösungsansätze“, zeigt sich der Dozent mit dem Resultat zufrieden.

Ein Veranstaltungssaal ist laut Krüger in den meisten der Arbeiten berücksichtigt, aber es sei darüber hinaus, zum Beispiel, auch ein Augenmerk auf weitere Räume für Vereine gelegt worden. Unter anderem hätten sich die Studenten mit Bürgermeister Winfried Abicht, der Chefin der Volkshochschule, Dr. Martina Terp-Schunter, und der Leiterin der Stadtbibliothek, Claudia Heiler, getroffen, um die Ausgangslage zu eruieren. „Die Studierenden durften das entwerfen, was sie für richtig halten“, fasst der Initiator zusammen, „aber es ging darum, ein reales und realistisches Projekt zu planen.“ Mit einer Einschränkung: Die Frage der Kosten und der Finanzierung blieb, um keine zusätzlichen Zwänge aufzuerlegen, außen vor.

Welche Nutzung wäre als Ersatz für den Mühlehof vorstellbar, und welches Gebäude mit welcher Architektur müsste dafür entstehen? Während es in Mühlacker bislang nur Grundsatzbeschlüsse und grobe Gedankenspiele hinsichtlich einer neuen Bebauung am Kelterplatz gibt, liefern die Studenten Antworten und Anregungen aus ihrer individuellen Sicht. „Es sind interessante und sehr unterschiedliche Ideen entwickelt worden, über die es sich zu diskutieren lohnt“, meint die Leiterin des Instituts, Professor Dr.-Ing. Petra von Both.

Die Resultate der studentischen Überlegungen zum Mühlehof-Areal können vom 26. November bis zum 6. Dezember in einer kleinen Ausstellung im Foyer des Rathauses bewundert werden. Die Eröffnung, zu der die Bevölkerung eingeladen ist, findet am Dienstag, 17 Uhr, statt.

Thomas Eier

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