Investor: Wir stehen zum Projekt

Erlenbach Center: Firma Krause ist „zuversichtlich“, Mieter zu finden – Stadt hat Rücktrittsrecht

Von Thomas Sadler Erstellt: 6. Juli 2016, 00:00 Uhr
Investor: Wir stehen zum Projekt Entsteht am Standort des Mühlehofs tatsächlich ein Einkaufszentrum? Archivfoto: Huber

Mühlacker. Die Nachricht, dass H&M und New Yorker für das geplante Einkaufszentrum am Mühlehof-Standort abgesagt haben, hat in Mühlacker eingeschlagen wie eine Bombe und sorgt für kontroversen Gesprächsstoff – in Wohnzimmern und an Stammtischen ebenso wie in den sozialen Medien im Internet.

Ein Rückblick: Am Dienstag, 22. März, gab der Gemeinderat mit Stimmen von CDU, LMU und FDP mehrheitlich grünes Licht für das Investorenmodell. Die beiden anderen Fraktionen hingegen äußerten ihre Bedenken gegen das Einkaufszentrum. Die SPD hätte am Mühlehofstandort lieber eine Kulturhalle gesehen; die Freien Wähler verwiesen auf Risiken, die ihrer Meinung nach ein Einkaufszentrum mit sich bringt. Gegen dieses hatte schon vor der Sitzung eine Initiative aus der Bürgerschaft Unterschriften gesammelt.

Dessen ungeachtet entschied sich das Gros des Gremiums für ein Erlenbach Center und beschloss den Verkauf des Mühlehofareals, verbunden mit einer Abbruch- und Bauverpflichtung für den Käufer, die Erlenbach Center GmbH&Co. KG mit der Firmengruppe Krause und der Ten Brinke Gruppe.

Am Dienstag wurde bekannt, dass H&M und New Yorker abgesprungen sind. Lesen Sie dazu einen Artikel.

Ein Vertreter der Krause-Gruppe stellte die Planung vor und kündigte an, H&M, New Yorker und eine Rossmann-Drogerie sollten als Ankermieter im Neubau untergebracht werden. Darüber hinaus war von einem Juwelier und einem Schuhladen oder einem weiteren Bekleidungsgeschäft die Rede.

Nun ist von den erhofften Publikumsmagneten nur noch Rossmann übrig. H&M und New Yorker haben einen Rückzug gemacht. Wie das? War denn nicht schon im März alles in trockenen Tüchern? Die Mietverträge seien „endverhandelt“, teilte der Krause-Repräsentant seinerzeit laut Stadtverwaltung mit. Das klang gut. Allerdings waren die Verträge damals eben noch nicht unterzeichnet, weil bis zum Beschluss des Gemeinderats der Geländeverkauf noch nicht in trockenen Tüchern war.

Mittlerweile herrscht indes bekanntlich Gewissheit, dass zwei der drei erwarteten Top-Mieter ihre Unterschrift nicht unter die Verträge setzen.

Vom Mühlehof zum Erlenbachcenter – lesen Sie hier die Chronologie.

Eine der vielen Fragen, die sich nun stellen, ist die, was der Investor nun vorhat. Das Mühlacker Tagblatt fragte nach. „Selbstverständlich“ werde weiter nach geeigneten Geschäften als Mieter gesucht, sagte am Dienstag der innerhalb der Krause-Gruppe für das Mühlacker Projekt zuständige Kai Engesser, der in der vergangenen Woche der Verwaltungsspitze im Rathaus die Hiobsbotschaft vom Absprung der beiden Ladenketten überbracht hatte.

Er habe auch schon Kandidaten in Aussicht; Namen wollte er jedoch nicht nennen. „Wir stehen zu 100 Prozent zu dem Projekt.“ Er und seine Kollegen seien „zuversichtlich“ und würden „mit Hochdruck“ daran arbeiten, dem Gemeinderat „so schnell wie möglich“ neue mögliche Mieter zu präsentieren.

Klar ist im Augenblick allerdings nur, dass vieles unklar ist. Zum Beispiel, ob Ende 2018 tatsächlich ein Einkaufszentrum in der Stadtmitte eingeweiht werden kann, und wann mit dem Abbruch des Mühlehofs begonnen wird, was nach der bisherigen Planung im Herbst dieses Jahres der Fall sein soll.

Ob dieser Termin einzuhalten ist, könne er heute nicht sagen, meinte Oberbürgermeister Frank Schneider am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wolle zunächst zusammen mit dem Gemeinderat beraten, wie es weitergeht. Dabei wird zu klären sein, ob der Investor weiter nach hochwertigen Mietern suchen soll und wie viel Zeit er dafür bekommt.

Vertragsrücktritt möglich – aber was dann?

Eine andere theoretische Möglichkeit ist, dass die Stadt von dem Vertrag mit der Erlenbach Center GmbH&Co. KG zurücktritt. Die Möglichkeit dazu besteht. Da H&M und New Yorker nicht unterschrieben haben, hätten sowohl der Investor als auch die Kommune ein Rücktrittsrecht, erläutert der gelernte Jurist Frank Schneider.

Nach der persönlichen Ansicht des OB „kann man eine überschaubare Zeit für eine weitere Mietersuche gewähren“. Für Frank Schneider ist das Projekt Einkaufszentrum trotz des Rückschlags nicht erledigt. „Ich halte es noch nicht für gescheitert“, sagt er.

Nun wolle er aber erst einmal hören, was der Investor selbst vorhabe. Unabdingbare Voraussetzung für eine Realisierung des Erlenbach Centers ist, dass – auf den zweiten Anlauf – die richtigen Mieter gefunden werden. „Wir brauchen Ankermieter als Frequenzbringer, und die muss der Investor suchen“, bringt es der Rathauschef auf den Punkt.

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