„Der Mühlehof war gar nicht doof“: Einblicke ins Gästebuch

Große Stars von Maria Schell bis Inge Meysel haben im Mühlacker Kulturleben ihre Spuren hinterlassen

Von Carolin Becker Erstellt: 5. Januar 2016, 00:01 Uhr
„Der Mühlehof war gar nicht doof“: Einblicke ins Gästebuch Bekannt durch „Ein Fall für zwei“ und im Jahr 1985 auch ein starkes Duo für den Mühlehof: Claus Theo Gärtner und Günter Strack sorgen im Thriller „Revanche“ für einen spannenden Theaterabend. Foto: Becker

„Mein herzlichstes toi, toi, toi für Ihr Haus !“ An guten Wünschen wie diesen des Schauspielers Herbert Bötticher mangelte es nicht. Und tatsächlich wurde der am 3. September 1982 eröffnete Kulturteil des Mühlehofs zum Anziehungspunkt für Stars und Sternchen. Der Glanz des Hauses, in dem in diesem Monat aus Brandschutzgründen der letzte Vorhang fällt, ist längst verblasst.

Mühlacker. Noch stehen der Neujahrsempfang am Mittwoch, die Zaubergala am Samstag und der ADAC-Ball am 16. Januar aus. Dann aber ist das letzte Kapitel in einer an Veranstaltungen unterschiedlichster Art reichen Geschichte der beiden rund 800 beziehungsweise 100 Sitzplätze umfassenden Säle geschrieben. Wie viele Besucher mögen in gut 33 Jahren in den Mühlehof geströmt, wie viele Schauspieler, Sänger, Instrumentalisten und Tänzer aufgetreten sein?

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  • Wie viele andere Künstler auch denken Heino und Hannelore gern an ihren Auftritt im Mühlehof zurück. Der Eintrag im Gästebuch spricht eine deutliche Sprache. (Fotos: Becker)

  • Bekannt durch „Ein Fall für zwei“ und im Jahr 1985 auch ein starkes Duo für den Mühlehof: Claus Theo Gärtner und Günter Strack sorgen im Thriller „Revanche“ für einen spannenden Theaterabend.

  • Dame vom Grill und von Welt: Brigitte Mira.

  • 1984 spielte Gunther Philipp im Mühlehof.

  • Gast aus der Politik: Lothar Späth.

  • Christian Wolff und Anja Kruse.

  • Ellen Schwiers (rechts).

  • „Im Zweifel für den Angeklagten“ heißt das Stück, in dem Christian Kohlund in Mühlacker auftritt.

  • Die Schauspielerin Grit Böttcher hat ihren Teil zu der von ihr hochgelobten Sammlung beigetragen.

  • Auf der Leinwand erfolgreich – und im Mühlehof.

  • Gefallen hat es offenbar auch Thekla Carola Wied, die herzlichst grüßt.

  • Lob für den Mühlehof respektive Mitarbeiter und Publikum gibt es von Carl-Heinz Schroth.

  • Weltstar Maria Schell.

  • Eine der prägenden Figuren des deutschen Fernsehens: Schauspielerin Inge Meysel.

  • Die Gruppe Truck Stop.

  • Roberto Blanco.

  • Die Wiener Sängerknaben geben 1986 ein Weihnachtskonzert.

  • Gunther Philipp.

  • Max Volkert Martens und Diana Körner.

  • Doris Kunstmann.

  • Mathias Richling.

Einen Eindruck davon vermitteln die Gästebücher, in denen sich zahllose Künstler verewigt haben. Die liebevoll gestalteten Bände enthalten Programmzettel, Porträtbilder und Unterschriften der Akteure, manchmal auch sehr persönliche Widmungen. Sie wecken, Familienalben gleich, nostalgische Gefühle. Das älteste erhaltene Buch setzt am 14. September 1984 mit dem Eintrag einer Folkloretanzgruppe aus Erlangen ein. Im Abstand weniger Tage wuchs die Autogrammsammlung um die Unterschriften von Mitgliedern des Wiener Operettentheaters, Darstellern der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ und Schauspielern wie Lutz Mackensy, Friedrich Schönfelder und Karl Michael Vogler. Mitten in der Galerie berühmter Fernseh- und Theatergrößen von Jutta Speidel und Gunther Philipp bis Brigitte Mira findet sich das Autogramm des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth, der im Rahmen einer CDU-Veranstaltung im Mühlehof zu Gast war. Während er lediglich seinen Namen ins Buch eintrug, wünschte Elke Sommer „Alles Liebe !“, Heino und Hannelore, die 1985 in Mühlacker gastierten, grüßten „herzlichst“, und die Musiker der Gruppe Truck Stop zogen am Ende ihres Auftritts vom 4. März 1986 folgende gereimte Bilanz: „Der Mühlehof war gar nicht doof.“ Ein ausdrückliches Lob ernteten im Oktober 1986 die Besucher einer Lesung: Seinen Dank an ein „sehr aufgeschlossenes Publikum“ hielt Schauspieler Carl-Heinz Schroth für die Nachwelt fest.

Überhaupt stieß das Haus bei vielen seiner Nutzer auf ein durchweg positives Echo, was sich allein an der Tatsache ablesen lässt, dass einige der Stars der ersten Stunde zu regelrechten Wiederholungstätern avancierten: Die Schauspieler Herbert Herrmann und Doris Kunstmann etwa erfreuten die Theaterfans gleich mehrfach, Kabarettist Mathias Richling beließ es ebenfalls nicht bei seinem ersten Auftritt im Februar 1986, und gelegentlich scheint auch familienintern nur Gutes über Mühlacker berichtet worden zu sein: Katerina Jacob, die sich 2003 im Gästebuch verewigte, hat ihrer Mutter Ellen Schwiers, zu Gast 2010, jedenfalls nicht von der Reise in den Enzkreis abgeraten.

Der Mühlehof beherbergte in all den Jahren die unterschiedlichsten Genres von Volkstanz bis Ballett, von Komödie bis Tragödie, von Klavierabend bis Lesung. Da wurde Verdis „Nabucco“ gegeben, da wurde „Giselle“ getanzt, aber auch gerockt, die Fans volkstümlicher Klänge bedient oder kabarettistisch vom Leder gezogen. Entsprechend vielfältig und von unschätzbarem Wert ist die nach den Auftritten entstandene Autogrammsammlung, die einem Who’s who der deutschen, teilweise der internationalen Kulturszene gleicht. „Das Publikum war auch vom Feinsten, und vom Allerfeinsten ist dieses Gästebuch“, stellte Grit Böttcher am 1. Oktober 1999 anerkennend fest.

Wie recht sie hat: Beliebte Schauspieler wie Inge Meysel, Maria Schell, Günter Mack, Claus Theo Gärtner, Günter Strack, Heinz Drache, Peter Schiff, Nadja Tiller, Simone Rethel, Charles Regnier, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Thekla Carola Wied, Peer Augustinski, Marion Kracht, Maxl Graf, Diana Körner, Anja Kruse, Peter Striebeck, Sonja Ziemann, Christian Kohlund, Günther Maria Halmer, Michaela May und Horst Janson haben ebenso Spuren hinterlassen wie der Kabarettist Gerhard Polt, die Sänger Patrick Lindner, Freddy Quinn und Katja Ebstein, Pianist Leopoldo Lipstein, Geiger Ulf Hoelscher und die Fernsehmoderatoren Ilja Richter und Hans-Joachim Kulenkampff.

Das letzte Schauspiel-Kapitel im Gottlob-Frick-Saal wurde am 5. Dezember geschrieben und im aktuellen Gästebuch dokumentiert. „Wie im Himmel“ hieß das Theaterstück. Wie passend: Sein Aufführungsort, dem letztlich alle guten Wünsche die Abrissbirne nicht ersparen werden, ruhe in Frieden.

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