„Beten Sie, kämpfen Sie, helfen Sie uns“

Kunsthandwerker verabschieden sich schweren Herzens aus dem Mühlehof – Aussteller bringen Rathaus als Austragungsort ins Spiel

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 30. November 2015, 00:00 Uhr
„Beten Sie, kämpfen Sie, helfen Sie uns“ Noch einmal lockt der Kunsthandwerkermarkt im Mühlehof Besucher an. Manuela Pflug aus Diefenbach (Bild oben) stellt Papierschmuck her. Darunter: Gravurarbeiten von Margarete Kölblin. Foto: Stahlfeld

Der Mühlacker Kunsthandwerkermarkt hat Generationen von Liebhabern kunstvoll gestalteter nützlicher oder einfach nur schöner Dinge in den Mühlehof gelockt. Am Sonntag schloss dort der letzte Markt seine Pforten, und eine Ära ging nach 36 Jahren zu Ende.

Mühlacker. Die Stimmung sowohl bei Ausstellern als auch bei Besuchern schwankte am Samstag und Sonntag. In die Enttäuschung und den Ärger darüber, dass der Mühlehof tatsächlich abgerissen werden soll und der Markt deshalb hier nicht mehr stattfinden kann, mischte sich die Hoffnung, dass der Kunsthandwerkermarkt an anderer Stelle weitergeführt wird. Besucher und Aussteller diskutierten teilweise heftig an den Ständen. Der Verkauf war manchmal nur noch zweitrangig.

„Beten Sie, dass wir nächstes Jahr woanders sein können. Kämpfen Sie, ja helfen Sie uns.“ Monika Schweikert gehört gewissermaßen zum Inventar des Kunsthandwerkermarktes. Von Anfang an ist die Mühlackerin mit dabei und verkauft ihr über die Jahre hinweg der jeweiligen Mode entsprechend angepasstes Repertoire vor allem an Strick- und Häkelarbeiten.

Sie gehörte am Wochenende zu den 35 Marktteilnehmern, die im Mühlehof auf zwei Etagen ihre Arbeiten ausbreiteten. Das traditionell vom Lions Club Mühlacker bewirtete Marktcafé hatte der Förderverein der Ulrich-von-Dürrmenz-Schule übernommen. Mit großem Engagement sorgten die Eltern für Kuchenspenden, die zugunsten der Fördervereins-Kasse verkauft wurden. „Der Erlös kommt direkt wieder den Schülern zugute“, so eine der Helferinnen. Der Lions Club indes hatte seine Zelte oder besser gesagt Hütten dieses Mal auf dem Weihnachtsmarkt aufgeschlagen.

Auch in dem im kleinen Mühlehofsaal untergebrachten Markt-Café wurde am Wochenende aufgeregt diskutiert. „Mühlacker würde etwas fehlen“, waren sich zwei Besucherinnen aus Ötisheim einig. Gerade die Kombination mit dem Weihnachtsmarkt vor der Tür mache den Reiz dieser Veranstaltung aus. Was nütze es also, den Weihnachtsmarkt in den Uhlandbau zu verlegen? „Da fehlt die Atmosphäre“, meinten die Tischnachbarn. „Da muss sich Mühlacker etwas einfallen lassen“, so der Tenor. Schließlich solle auch der Sender weichen, und am Ende folge die große Ernüchterung nach der Gartenschau.

Die Weihnachtszeit ohne Kunsthandwerkermarkt? Das ist auch für Margarete Kölblin nur schwer vorstellbar. Die Graveurmeisterin aus Mühlacker war schließlich von Anfang an mit dabei. „Es ist ein Trauerspiel“, meinte sie, die auch von den Besuchern auf den geplanten Mühlehofabriss angesprochen wurde. Der Kunsthandwerkermarkt sei ein Aushängeschild für Mühlacker gewesen, stellte Margarete Kölblin fest, während sie eine der Ursachen für den schwachen Besuch am Samstag zu kennen glaubte: Angesichts der ständigen Diskussion über die Zukunft des Mühlehofs seien sich viele Bürger gar nicht mehr sicher gewesen, ob die Veranstaltung überhaupt noch stattfinde.

Indes richtete sich der Blick auch nach vorne. Nachdem der Uhlandbau oder gar die Kelter für viele als zukünftiger Veranstaltungsort ausschied, lenkte Monika Schweikert das Gespräch in Richtung Rathaus. „Wir alle wollen fragen, ob wir nicht dort den Kunsthandwerkermarkt veranstalten können“, sagte sie im Namen der Aussteller. Dass dies möglich sei, machten andere Städte wie Pforzheim vor.

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