Unzumutbare Unterkunft?

Erstellt: 13. Januar 2018, 00:00 Uhr

Zu „Wir tun unser Möglichstes“ vom 29. November und Leserbriefen dazu:

Erst einmal gebührt ein Bravo den Herren Storck, Diehm, zuletzt auch Herrn Großhans, für ihre rasche Antwort zu diesem Thema. Sie haben über ihre Probleme und die Zustände vor schon gut 70 Jahren geschrieben. Man könnte sich fragen: Was kann die junge Generation damit anfangen?

Doch noch mal eine kurze Schilderung über unsere damalige Situation. Die Eltern sind geflüchtet, sind 1946 in Ölbronn gelandet. Der Vater war Soldat und hat in Russland den rechten Arm verloren. Hier hatte man für sie ein Zimmerchen, circa zehn Quadratmeter, bereitgestellt. Ich kam ein Jahr später hinzu. War damals 15 Jahre alt.

Jahrelang habe ich neben den Eltern auf einem niedrigen, kleinen Ami-Feldbett geschlafen. Das Zimmerchen war für uns drei Personen Küche, Esszimmer Wohn- und Schlafzimmer. Alles Wasser musste ich vom unteren Stock im Eimer raufholen. Ein Klo gab es im Hinterhof. Meine zwei Großmütter, bei denen ich zwei Jahre noch mit in Ungarn gelebt habe, hatte man von Haus und Hof in die damalige DDR vertrieben. Wir haben auch sie nach Ölbronn geholt. Auch für sie gab es ein Zimmer im Nachbarhaus. In all den Jahren hatten wir mit den Hausleuten ein sehr gutes Beisammensein. Jederzeit haben wir einander geholfen. Wir sagten uns damals, es sind Folgen des Krieges, den wir leider begonnen hatten.

Und heute? Ist einem heute nicht mehr zuzumuten, das Land, ja die Heimat zu verteidigen? Ist es verständlich, einfach zu fliehen und anderweitig sich verhalten zu lassen und auch teilweise noch „große“ Ansprüche zu stellen. In ihrem Leserbrief stellt Frau Dr. Denzler einiges an den Pranger. Ich entnehme daraus, die zuständigen Stellen beziehungsweise Beamten sind nicht in der Lage, die Räumlichkeiten passend hinzubekommen. So weit, so schlecht.

Vielleicht wäre damit Abhilfe geschaffen, würde Frau Dr. Denzler mal einen „Batzen“ Euro abheben. Ich bin mir sicher, die von ihr damit beauftragten Handwerker würden in kürzester Zeit die Räumlichkeiten auf Vordermann bringen. Oder wir waren sie mal, woher das viele Geld kommt für all die schon erbauten Moscheen. Sagen Sie mal den Geldgebern, sie möchten auch mal nach ihren armen Mitgläubigen sehen, auch beobachten, wie armselig diese anscheinend untergebracht sind.

Noch ein Hinweis: Mir ist nicht geläufig, dass sich damals auch nur eine Familie im Ort öffentlich über eine „unzumutbare“ Unterkunft beschwert hat. Trotz allem wünsche ich Frau Dr. Denzler ein Jahr 2018 mit weniger Sorgen.

Otto Schweitzer, Ölbronn

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