Umdenken

Erstellt: 16. August 2018, 00:00 Uhr

Zu „Kritik an Kontrollen mit dem Meterstab“ vom 15. August:

Auf der einen Seite wünscht man sich strengere Kontrollen mit entsprechenden Sanktionen im öffentlichen Raum – aber bitte nicht bei einem selbst; nach dem St. Florians-Prinzip „verschon‘ mein Haus zünd‘ and’re an“. Es scheint inzwischen salonfähig zu sein, sich an bestehende Regeln nicht halten zu müssen. Schon gar nicht im öffentlichen Verkehrsbereich. Da werden die Kinder auf der nur wenige 100 Meter betragenden Autofahrt zur Schule nicht angeschnallt. Es wird eben nur mal kurz im absoluten Halteverbot geparkt, um etwas ganz schnell zu erledigen. Es werden öffentliche und private Zufahrten willkürlich zugeparkt – meist sogar trotz deutlicher Kennzeichnungen –, um sich fünf Meter Fußweg zu sparen. Egal, ob andere behindert werden – man nehme die Seniorin, die mit dem Rollator auf die Fahrbahn ausweichen muss, den Kinderwagen, der nicht mehr zwischen Gebäude und geparktem Fahrzeug passt oder gar Rettungswege, die blockiert werden. Selbst das Müllfahrzeug – gerade eben wieder erlebt – kommt oft genug nicht zwischen geparkten Autos durch.

Das passiert aus Gedankenlosigkeit, Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Bequemlichkeit oder, und das beobachte ich inzwischen häufig, oft aus reiner Absicht. Um zu zeigen „mir kann keiner“, auch nicht die StVO. Meistens wird es sowieso nicht geahndet, weil es nicht bemerkt wird. Werden dann tatsächlich Ordnungsgelder verhängt, zahlt man diese locker aus der Portokasse, weil sie sowieso nicht hoch sind. Eine sehr fatale Entwicklung! Keiner kann sich erklären, weshalb unsere Kinder immer ignoranter, rücksichtsloser, egoistischer werden – die Auflistung ließe sich endlos fortsetzen. Die Kinder lernen, dass ein Fehlverhalten keinerlei Konsequenzen hat. Regeln nicht einzuhalten ist nicht einmal mehr ein Kavaliersdelikt. Ein generelles Umdenken in der Gesellschaft täte not. Damit aus dem allgegenwärtigen Ich wieder ein Wir werden kann.

Ute König, Mühlacker

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