Ohne Konzept

Erstellt: 11. Januar 2020, 00:00 Uhr

Zur Entwicklung in Mühlacker:

In Mühlacker taucht immer wieder die Frage (oder Absicht/Planung) auf, Wohngebiete mit gemischter Bauweise zu belegen. Liegt das daran, durch wen man schneller ans Geld für den Grunderwerb kommt? Aktuell Ziegeleigelände: Muss dringender Platz für Wohnbebauung auch an Gewerbetreibende verkauft werden? Beispiele wie OBI, Bergle, toom, Aldi, Lidl und Co. zeigen, dass die Kunden zu 99,9 Prozent mit dem Auto einkaufen. Da dürfte es doch egal sein, wohin die Kunden fahren müssen. Oder ist der Bebauungsplan für die Wohnbebauung noch nicht fertig? Muss man mit der Überlegung spielen, Lidl an der Goethestraße anzusiedeln und dafür St. Franziskus ins Ziegeleigelände abzuschieben?Warum lässt man diese Anwohner nicht in Zentrumsnähe und verplant die jetzigen Parkplätze für Einkaufsmöglichkeiten?

Diese Parkflächen sind heute schon stark frequentiert durch Besucher der sozialen Einrichtungen und für Parkplatzsuchende der City. Wenn schon St. Franziskus erweitern muss, müsste das doch auf den Parkplätzen oder mit Überbauung des Igelsbachs möglich sein. Warum hat man der Sanierung der B10 zugestimmt, obwohl seit Jahren zu beobachten ist, dass der Verkehr dort ständig zunimmt. Die Lienzinger Straße muss dringend saniert werden und soll zur 30er-Zone werden. In Stuttgart dürfen auch Euro-5-Diesel nicht mehr fahren; in Mühlacker wird stattdessen die B10 aufwendig saniert und sogar noch in unmittelbarer Nähe eine Kita gebaut, deren Nutzer mit dem Auto gebracht und abgeholt werden müssen. Da kann man auf den ersten Unfall warten. Schon vor vielen Jahren wurde über eine Umgehung (wie in touristischen Schwarzwaldgemeinden) nachgedacht. Vor Jahren wurde die V7 in der Oberfläche saniert, und jetzt rollt dort lustig auch in zunehmendem Maße der Lkw-Verkehr – nur als Anlieger für Spedition Craiss, die auch noch erweitern möchte?

Ich komme öfter durch Sachsenheim, wo mit der Umgehungsstraße der große Wurf gelungen ist – wahrscheinlich trotz gutem Ackerland. Wie lange bleiben unsere Landwirte noch Miteigentümer der Biogasanlage, wenn jetzt schon die mageren Jahre beginnen, in denen sie Verluste schreibt und Strom anderweitig günstiger ist? Wird dann aus den Maisfeldern wieder Ackerland? Macht man das alles mit Vernunft und Weitblick oder nur, weil man jetzt vorhersehbaren dringenden Finanzbedarf nur noch mit Schulden abdecken kann?

Vor Jahren hätte man sich das Geld beim Bau der Lindachhalle – mitten in eng bebautem Wohngebiet – durch Vergabe mit Auflagen an private Investoren ersparen können. Die neue Feuerwache wird um mindestens die Hälfte teurer als geplant. Neubauten werden durch Vergabe an Generalunternehmen mit Einsatz von unsicheren Bauunternehmen, die dann in Insolvenz gehen, deutlich teurer oder bleiben jahrelang bis zur Klärung sanierungsbedürftig. Der Mühlehof hätte erhalten bleiben können, wenn man rechtzeitig Rücklagen gebildet und den unteren Bereich sinnvoller vermietet hätte. Eigentlich hätte er schon 2013 stillgelegt werden müssen, wurde aber noch bis Anfang 2016 weiterbetrieben. Da musste in einer Hauruck-Aktion der Mühlehof für teures Geld abgerissen werden, ohne dass man einen Plan hatte, wie es weitergeht. Was wird aus dem Namen Senderstadt, wenn es diesen nicht mehr gibt und die Denkmal-Würdigkeit nicht hoch genug angesetzt ist – auch, wenn man über die Notwendigkeit streiten kann. Es kommt allerdings der Verdacht auf, dass der dringende Austausch der Spannschlösser den Abriss herbeiführen soll. Der Abriss und die Entsorgung werden auch nicht zum Nulltarif erfolgen. Das sind alles Aktionen mit dringendem Finanzbedarf, die unbedingt mit einer längerfristigen Zukunftsplanung untermauert werden müssen und nicht kurzfristig von Jahr zu Jahr oder Wahlperiode zu Wahlperiode.

Harry Walbersdorf, Mühlacker

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