Mit Flüchtlingen ordentlich umgehen

Erstellt: 31. August 2015, 00:00 Uhr

Zu „Bei der Unterbringung von Flüchtlingen herrscht Chaos“ vom 27. August:
Als 1962 die große Flut über Hamburg hereinbrach, herrschten auch dort Chaos und ein großes Durcheinander. Es gab dort allerdings einen Mann, der sich über alle bürokratischen Richtlinien hinwegsetzte. Einen Pragmatiker, der die Zügel in die Hand nahm, Feuerwehr und Rotes Kreuz koordinierte und Hubschrauber anforderte. Mit diesen Maßnahmen rettete er einer Vielzahl von Menschen das Leben. Sein Name war Helmut Schmidt von der SPD.

Genauso einen Mann braucht Baden-Württemberg, einen Minister, der mit einem kleinen Stab von Mitarbeitern dort auftaucht, wo es Probleme gibt, und den dortigen Verantwortlichen Hilfestellung leistet, eben einen Pragmatiker und keinen Bürokraten. Eine solche Arbeit kann keiner in einem Achtstundentag bewältigen, dazu gehört voller Einsatz, zur Not auch Tag und Nacht.

Vielleicht sollte man in den Ämtern vorübergehend einen Schichtbetrieb einführen, um Anträge schneller zu bearbeiten und um eine sofortige Entscheidung zu treffen. Ebenso muss man denen, die eine Chance auf Asyl haben, sagen, dass sie noch lange in Provisorien werden leben müssen. Die aber, denen Asyl sowieso nicht stattgegeben wird, gehören sofort zurückgeschickt, denn sie nehmen den Anderen die Plätze weg. Es waren die Vertriebenen aus dem Sudetenland, die nach Baden-Württemberg kamen dort integriert wurden und zu einer Bereicherung für das Land wurden. In das zum großen Teil zerstörte Hamburg strömten die Menschen aus Ostpreußen, auf der Flucht vor den Russen, und mussten aufgenommen werden. All dieses wurde von uns bewältigt, dann muss es doch auch möglich sein, das wir „echte“ Asylanten aufnehmen, das gebietet unser Menschenrecht.

Bei den Vorgängen in Sachsen, wo ankommende Asylsuchende beschimpft und bedroht wurden, wo die Polizei mit Steinen und Flaschen beworfen wurde, handelt es sich um den Mob. Sigmar Gabriel, ebenfalls von der SPD, hat recht, wenn er diese Menschen als Pack bezeichnet hat. Unter Pack versteht man, was in unserer Sozialordnung an unterster Stelle angesiedelt ist.

Unsere Bundeskanzlerin, die doch aus dem Osten kommt, hat zu diesen Vorgängen erst sehr spät Stellung bezogen. Führung sieht anders aus, zu solchen Vorgängen schickt man nicht den Pressesprecher raus, sondern man nimmt umgehend Stellung, zumal bekannt ist, dass etwa 20 Prozent unserer Bevölkerung ausländerfeindlich eingestellt sind.

Lasst uns mit den Flüchtlingen ordentlich umgehen, denn sie verlassen ihre Länder, dort, wo auch ihre Wurzeln sind, nicht freiwillig.

Karsten Winterfeld, Maulbronn

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