Millionengrab Sender

Erstellt: 27. Januar 2020, 00:00 Uhr

Zu „Sender-Erhalt: Im Rat soll es zum Schwur kommen“ vom 25. Januar:

Es ist zu bedauern, dass der Wirtschaftsausschuss des Landtags es abgelehnt hat, sich an den Kosten des Sendererhalts zu beteiligen. Selbst die Abgeordneten der regierenden Grünen und der CDU stimmten nicht zu, obwohl die Herren Köberle und Bächle in einem neuerlichen Vorstoß ihrer Fraktionen den Sendemast retten wollen.

Offensichtlich haben die Landespolitiker die beiden vorliegenden Gutachten sehr genau gelesen. Und wer dies tut, muss von einem Erwerb des Mastes Abstand nehmen, denn mit den erforderlichen Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen droht der Sender ein Millionengrab zu werden.

Das im Auftrag der Denkmalstiftung Anfang 2019 hergestellte Gutachten geht von 1,1 Millionen Euro aus, die kurz- und mittelfristig zum Erhalt des Mastes aufgewendet werden müssen. Der Gutachter versucht dabei, das ursprüngliche Gutachten des SWR zu notwendigen Umbauarbeiten zu widerlegen, welches Maßnahmen in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro vorsieht. Jetzt wissen wir aus Erfahrung, dass Gutachten oftmals das als Ergebnis bestätigen, was der Auftraggeber gerne hätte.

Unbestrittene Tatsache ist jedoch, dass als eine der ersten Maßnahmen nicht nur die Spannschlösser für 60000 Euro ausgewechselt werden müssen, sondern in beiden Gutachten als sehr dringlich die Pardunen, die Abspannseile, erwähnt werden. Diese müssten insgesamt ausgetauscht werden, da – Herstellungsjahr 1968 – mit „Ermüdungserscheinungen“ der schwingenden Seile zu rechnen sei. Die Kosten dafür variieren je nach Gutachten zwischen 600000 und einer Million Euro. Unbestritten ist auch, dass an dem Mast in den nächsten zehn Jahren der Korrosionsschutz und die Farbe für eine weitere halbe Million erneuert werden muss.

Zugegeben, der Sendemast ist ein Wahrzeichen der Stadt, und es wäre schön, wenn der SWR als Eigentümer vom Regierungspräsidium gezwungen würde, ihn als Kulturdenkmal zu erhalten. Zurecht fragen sich aber viele Bürger, ob sich unsere Stadt bei all den noch anstehenden Aufgaben diese enormen Kosten aufbürden darf. Nimmt man den vom SWR geforderten Kaufpreis von 550000 Euro noch hinzu und weiß, dass die Gebäude auf dem Gelände auch mit erheblichem Aufwand zu sanieren sind, muss der Gemeinderat am Dienstagabend den Antrag der CDU und der LMU ablehnen.

Rolf Leo, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Mühlacker

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