Mehr Verlierer als Gewinner

Erstellt: 13. Juni 2019, 00:00 Uhr

Zum Artikel „Mühlacker ist der große Gewinner“ vom 9.Juni:

Nun ist der neue Fahrplan in Kraft, der mit „Mühlacker ist der große Gewinner“ bejubelt wird. Die Realität macht jedoch deutlich, dass es eine große Reihe Verlierer gibt. Die kleinen Ortschaften, von Mühlacker östlich bis Bietigheim als auch westlich bis nach Pforzheim werden zu Nahverkehrskunden zweiter Klasse degradiert. Bislang konnten sie von ihren Wohnorten aus direkt, ohne Umsteigen, nach Karlsruhe oder Stuttgart fahren. Nun müssen sie nach Vaihingen, Mühlacker oder Pforzheim fahren, umsteigen und haben dort Wartezeiten bis zu 20 Minuten und mehr. Besonders für Pendler. Für Reisende mit Gepäck und Behinderte ist die Situation untragbar. Die Informationspolitik lässt zu wünschen übrig, so sind, zum Beispiel, im neuen, in Enzberg ausgehängten Fahrplan keine Hinweise, wann man in Pforzheim Anschluss nach Karlsruhe hat. Die Taschenfaltpläne sind unübersichtlich, weil das gesamte Streckennetz von Stuttgart bis Heidelberg oder bis Karlsruhe und Bad Wildbad ausgewiesen ist. Um das alles unterzubringen, hat man eine sehr kleine Schrift wählen müssen, die von älteren Menschen selbst mit Brille nicht zu lesen ist.

Um die durchgehenden Züge, die in Vaihingen, Mühlacker beziehungsweise in Pforzheim halten, zu erreichen oder um die langen Umsteigezeiten zu umgehen, steigen viele ins Auto und fahren dahin, lassen ihre Autos dort stehen und beenden ihre Reise dann wieder mit dem Auto, oder sie fahren gleich mit dem Auto direkt an ihren Arbeitsplatz. So treibt man die Bahnfahrer wieder auf die Straße. Feinstaub und Klimawandel ade! Die gleichen Überlegungen stellen bereits Reisende aus Ötisheim an, für die nach dem Fahrplanwechsel die weiterführenden Verbindungen nicht mehr passen.

Verkehrsminister Hermann propagiert, den Personennahverkehr zu stärken, und appelliert, die Fahrzeuge des Nahverkehrs zu nutzen, und erreicht mit dieser Fahrplanänderung genau das Gegenteil. Dieses Desaster wird dann auch noch als großer Wurf schöngeredet, siehe Artikel vom 9. Juni im MT.

Zwei ausländische Transportunternehmen bestimmen jetzt, wann und wo im Ländle die Züge fahren. Am Pfingstsonntag begann das große Chaos auf den Bahnhöfen der Residenzbahn. Verkehrsminister Hermann hat das hautnah erlebt, weil er in Pforzheim in der Warteschleife festsaß. Am Dienstag nach Pfingsten und nach den Pfingstferien wird es sich mit den Schülern verstärkt fortsetzen. Gewinner sind die größeren Städte, die großartig Metropolen genannt werden. Von dort kommt man mit durchgehenden Zügen schnell zum Ziel. Gewinner sind auch die Tankstellen, weil viele mit dem Auto zu den schnellen Zügen fahren werden. Eine in Eutingen gegründete Bürgerinitiative sammelt Unterschriften, um auf eine Änderung beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember hinzuwirken. In Enzberg liegen Unterschriftslisten aus bei: Bäckerei Riedel, VR Bank, Sparkasse, Buntstiftle, Dr. Böhme.

Hans-Werner Herre, Mühlacker

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