Leugnen von Fakten

Erstellt: 24. August 2018, 00:00 Uhr

Zum Leserbrief „Hysterieproblem“ vom 23. August:

Als Wissenschaftler habe ich mich der Wahrheit verpflichtet, und daher kann und möchte ich den Leserbrief nicht unkommentiert stehenlassen.

In diesem Brief wird eine Hysterie formuliert, die durch die Medien im Bezug auf die aktuelle Berichterstattung zur Sommertrockenheit geschürt wird, unterstützt durch weitere Beispiele aus der Vergangenheit. Ich gebe dem Schreiber recht: Einige Medien nehmen gerne öffentlichkeitswirksame, aktuelle Themen auf, um sie groß darzustellen (zum Beispiel gibt es gerade jahrzeitlich und biologisch bedingt viele Wespen, die herumfliegen, aber sie sind nicht aggressiver als sonst, sie haben einfach Hunger). Auch gab es schon immer Warm- und Kaltzeiten im Laufe der Erdgeschichte, ebenso Wetterextreme mit Schwankungen in beide Richtungen. Wenn dann aber der Klimawandel, der durch unsere menschliche Aktivität seit Beginn der Industrialisierung kontinuierlich forciert wurde, als „Betrugswerk der westlichen Industrienation“ und „Hype“ bezeichnet wird, muss Schluss sein!

Hier empfehle ich dem Schreiber dringend, sich mit wissenschaftlich fundierten, internationalen Studien zu beschäftigen, die einvernehmlich Anstiege der klimarelevanten Gase CO2, Stickoxide und Methan in der Atmosphäre dokumentieren (siehe zum Beispiel IPPC Report 2014). Und dabei geht es natürlich auch um physikalische Prozesse, jedoch sind die Ursachen des Anstiegs durch uns Menschen gemacht. Alleine seit 1990 ist der CO2-Ausstoß um 60 Prozent gestiegen, pro Kopf werden in den USA 17 Tonnen, in China sieben Tonnen und in Deutschland zehn Tonnen CO2 pro Jahr produziert (Mojib Latif, Geomar Institut). Wir alle – und auch deshalb treffen sich 195 Staaten – haben eine Verantwortung, können und müssen handeln.

Die Verbreitung von „Fake News“ und das Leugnen von wissenschaftlichen Fakten sind nicht nur für unser Ökosystem, sondern auch für unser menschliches Miteinander fatal.

Dr. Martin Hasselmann, Mühlacker

Weiterlesen

Appell

Zu „Neue Stadthalle: Mit der Lücke wächst der Druck“ vom 3. November: Der Wahlkampf wirft seine Schatten voraus: Mag etwas ketzerisch klingen, aber: Ein tiefes, klaffendes Loch im Zentrum Mühlackers… »