Schandfleck

Erstellt: 26. Mai 2020, 10:52 Uhr

Zu „MWK-Areal: Gibt es bald einen Verkauf ?“ vom 23. Mai:
Bürgermeister Felchle erklärte schon vor vielen Jahren, es sei nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, Umweltschäden, die Privateigentümer verursacht hätten, mit Steuergeldern zu beheben. Dieser – für einen CDU-Bürgermeister fast schon sozialistischen – Ansicht konnte man vorbehaltslos zustimmen. Nur hatte sich der Verursacher der Umweltschäden auf dem Gelände der Gießerei Schenk durch Insolvenz aus dem Staub gemacht, und der Insolvenzverwalter konnte und wollte wohl aus der Insolvenzmasse die erforderliche Bodensanierung nicht durchführen. Stattdessen setzte man alles auf einen Verkauf des Werksgeländes an einen Privatinvestor, der den Abriss der alten Fabrikgebäude und die Sanierung der belasteten Böden durchführen sollte. Und darauf wartet Maulbronn jetzt seit elf Jahren und hat einen Schandfleck mitten in der Stadt.

Wenn nun der Stadtbauamtsleiter gegenüber dem Mühlacker Tagblatt äußert „wir sind eine Stadtverwaltung, aber keine Altlastenbeseitiger“, dann macht er sich die Sache zu einfach. Nach so vielen Jahren vergeblichen Wartens auf einen Erlöser, der der Stadt Abriss, Bodensanierung und Neubau nach den Gestaltungswünschen der Maulbronner abnimmt, müsste man endlich einsehen, dass man sich selbst mal um die Sache kümmern muss. Dazu gehört zuvörderst, öffentlich bekanntzumachen, wie groß die Schäden wirklich sind und wie hoch die Kosten zu deren Beseitigung. Bisher wurde daraus immer ein Geheimnis gemacht – völlig unverständlich ! Und es gibt die Meinung ehemaliger Schenk-Mitarbeiter, dass es so schlimm nicht sein könne, weil man sich zumindest in den vergangenen Jahrzehnten an einschlägige Vorschriften des Druckgussbetriebs gehalten habe.

Als Nächstes sollte man dann mal bei Land, Bund und EU nach Zuschüssen für die Beseitigung von Umwelt-Altlasten suchen. Es geht hier auch darum, bereits überbautes Gelände zu nutzen, was immer besser ist, als auf der grünen Wiese neue Gewerbe- und Wohnbauten hochzuziehen; auch das könnte ein Förderkriterium sein. Nach der Bereinigung kann eine Projektgesellschaft beziehungsweise ein Bauträger eine Neubebauung nach den Wünschen der Maulbronner und nach dem Marktbedarf vornehmen. Aber, liebe Maulbronner Stadtverwaltung: Dafür muss man etwas tun, feste arbeiten, nicht nur verwalten, sondern auch gestalten. Weitere Jahre auf den Deus ex Machina zu warten, ist wohl nicht das Richtige, wenn in der Lokalpolitik auch mal ein zukunftsorientiertes Handeln erforderlich ist.

Heinz Kammer, Ötisheim (früherer Maulbronner und heute durch vielfältige Engagements weiter mit Maulbronn verbunden)

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