Chance vertan

Erstellt: 6. September 2018, 00:00 Uhr

Zum Tag des offenen Denkmals:

Eine seit vielen Jahren durchgeführte und für das Geschichtsverständnis der Menschen sehr wichtige Veranstaltung findet auch dieses Jahr wieder am zweiten Septemberwochenende statt – landesweit. Der Tag des offenen Denkmals.

Mühlacker, die Senderstadt, hätte die Chance gehabt, sich mit seinem jüngsten Kulturdenkmal, dem seit 2016 geschützten 273 Meter hohen Sendermast gut in Szene zu setzen.

Der Historisch-Archäologische Verein hat frühzeitig mit dem Besitzer des Bauwerkes, dem SWR, die dafür erforderlichen Schritte einzuleiten versucht und hätte dort ein interessantes und abwechslungsreiches Besuchsprogramm konzipiert und durchgeführt. Doch der SWR hat seinerseits beschlossen, den Sendermasten, der ihm lästig ist wie eine Schmeißfliege (weil er Geld und Sachbearbeiterzeit kostet) kurzerhand entgegen des Bescheides der Landesanstalt für Denkmalpflege als Nicht-Denkmal zu erklären. Welch eine Ignoranz! Kaufmännische Denkweise versus Bau- und Kulturhistorie.

Dabei ist der Sendemast einer der Letzten noch verbliebenen seiner Art in der Republik, seine Bauweise ist so einmalig, dass er sogar in der Fachliteratur für angehende Bauingenieure und Statiker an prominenter Stelle Erwähnung gefunden hat. Die seinerzeit bauausführende Firma kokettiert noch heute in ihren mehrsprachigen Werbeunterlagen damit, dieses Bauwerk einstmals erstellt zu haben. Und dann kommt dieser SWR daher und erklärt kraft eigener Kompetenz, hier liege kein Denkmal vor. Dass diese Anstalt auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat, der über die reine Programmgestaltung hinausgeht, wird dort geflissentlich ignoriert. Man kann und muss aus jeder Art von Geschichte lernen, auch aus der Baugeschichte. Und so ist der einfache Zweizeiler vom Mühlacker Ehrenbürger Karl Knöller auch heute noch aktuell wie damals schon: „Wer das Heute will verstehn, muss beim Gestern in die Schule gehn.“

Frank-Ulrich Seemann, Mühlacker

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