Ansprüche prüfen

Erstellt: 12. Mai 2018, 00:00 Uhr

Zu „Stadt muss mit einer Lücke leben“ vom 25. April und Umfrage „Wie sehen Sie den Neuanfang im Stadtzentrum?“ vom 5. Mai:

Nehmen wir mal an, Sie haben vor 40 Jahren ein zweckgebundenes Gebäude errichten lassen. Heute stellen „Gutachter“ fest: Eine Sanierung ist finanziell nicht tragbar. Zudem sind Brandschutzauflagen für den an dieses Gebäude gestellten Nutzungsanspruch kostenmäßig nicht zu bewältigen. Was würden Sie jetzt tun? Sicher klären Sie ab, wer für die Planung und Bauausführung Verantwortung zu tragen hat. Als Nächstes wäre zu klären, was die Ursache für den „Verfall“ dieses Gebäudes ist und wo die Verantwortlichkeit dieses sogenannten Sanierungsstaus auszumachen ist. Zu prüfen ist ebenfalls, ob die Nutzungsauslastung in der Form geändert werden kann, dass die Brandschutzauflagen so reduziert werden könnten, dass eine Investition Sinn macht.

Was tun unsere Verantwortlichen der Stadt? Sie wollen den Mühlehof für sehr teures Geld abreißen lassen und für noch mehr Geld ein neues Gebäude errichten lassen. Der Zweck für dieses neue Projekt ist zwar noch nicht ganz geklärt, ebenso wenig die Finanzierung. Im untersten kalkulierbaren Bereich für Abriss und Neubau kann man ab zwölf Millionen Euro aufwärts rechnen. Das wird sicher nicht reichen. Es ist Geld, das die Stadt nicht besitzt, und schlimmer noch, es handelt sich nicht um das Geld des Oberbürgermeisters oder seiner Stadträte, sondern es ist Geld der steuerzahlenden Bürger.

Die Probleme, welche ein Abriss mit sich bringt, sind noch nicht erwähnt und laut Fachleuten sicher nicht unerheblich. Ich nenne da mal die eventuelle Anhebung der Tiefgarage und die Kosten der Bauschuttentsorgung. Wozu brauchen wir in Mühlacker einen Theater- beziehungsweise Ballsaal mit Platz für bis zu 800 Menschen? Die wirklich klein bemessene Schar von Menschen, die großes Theater, Ballett und Oper lieben, haben die Möglichkeit, diese Events in Pforzheim, Ludwigsburg, Stuttgart und Karlsruhe zu erleben. Im Übrigen müssen auch diese genannten Kulturhäuser subventioniert werden. Weshalb dann Mühlacker? Reduziert die Kapazität auf die Hälfte, das ist ausreichend und mindert die Auflagen des Brandschutzes beträchtlich. In den Räumlichkeiten des ehemaligen Supermarktes könnte man sich einen Marktplatz für frisches Obst, Gemüse, Fleisch etc., wie es von Hofläden angeboten wird, vorstellen. Eine Verköstigung für Passanten könnte angegliedert werden.

Beispiele, wie das funktioniert, gibt es genügend im Lande. Die kleinen Ladenzeilen könnte man an individuelle Einzelhändler mit Angeboten, welche gutes Publikum anziehen, vermieten. In den oberen Geschossen kann man Büros, Ärzte, Heilpraktiker einquartieren. Dazu wäre die Öffnung der Bahnhofstraße als Einbahnstraße mit Kurzparker-Nischen von Vorteil, und es würde helfen, den „toten Teil“ der Straße zu beleben.

Bitte liebe Stadtverantwortliche: Denkt nochmals nach und erspart uns ein weiteres finanzielles Debakel.

Wolfgang Roller, Mühlacker

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