Usbekistan: die große Seidenstraße und noch viel mehr

Von Hans-Ulrich Wetzel Erstellt: 9. November 2013, 00:43 Uhr
Usbekistan: die große Seidenstraße und noch viel mehr Usbekistan: die große Seidenstraße und noch viel mehr

Tradition und Moderne, Jung und Alt, Stadt und Land, Religion und Säkularismus. Sehr selten können Gegensätze so stark erlebt werden wie auf einer Rundreise entlang der Großen Seidenstraße durch das zentralasiatische Land Usbekistan. Ein Reisebericht.

Schon der Anfang, begleitet von einem völlig überraschenden Kälteeinbruch im Land, und das Ende der Reise könnten kontrastreicher kaum sein. Hier am Abend des ersten Reisetags noch das Eintauchen in die „mittelalterliche“ Welt der Stadt Chiwa, mit seiner prächtig erhaltenen Altstadt samt Stadtmauer 2006 zum Weltkulturerbe ernannt. Dort am Morgen des Rückreisetags die Besichtigung der modernen Hauptstadt Taschkent, 1966 durch ein Erbeben völlig zerstört und heute zur symbolbewussten Kapitale mit prunkvollen Bauten erkoren.

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Über die Felder reiten Bauern mit ihren Eseln. Die Menschen machen einen glücklichen Eindruck. 

Unweigerlich denkt man da zurück an den Bauernhof, den wir drei Tage zuvor besucht haben. Die Landschaft karg und trocken. Das Leben dort für uns noch immer unvorstellbar einfach. Über die Felder reiten Bauern mit ihren Eseln. Die Menschen machen einen glücklichen Eindruck. Überall entlang der Strecke winken strahlende Kinder unserem Bus zu. In Taschkent winken keine Kinder mehr. Der neue Wohlstand ist augenfällig.  Elegante junge Frauen schlendern entlang der Straßen, verliebte Paare flirten im herausgeputzten Park und geschäftige Reisende schwirren durch die Stadt. Randbetrachtung: Erstmals in der Hauptstadt sehen wir wenige Autos „Made in Germany“. Hohe Zölle schützen die inländischen Autobauer und „auf dem Land“ sind deutsche Autos unerschwinglich.

Der Stolz auf die 1991 erlangte Unabhängigkeit ist allgegenwärtig. 

Mitreisende, die bereits vor zehn Jahren Usbekistan besuchten haben, berichten von gewaltigen Fortschritten im Land.  Usbekistan war Teil der Sowjetunion. Die Zeit der russischen Herrschaft hat auch in diesem Land für mancherlei kommunistische Fehlallokation gesorgt. Zu den Russen fallen wenig freundliche Worte. Dennoch ist Russland heute noch immer der größte Handelspartner.  Der Stolz auf die 1991 erlangte Unabhängigkeit ist allgegenwärtig. Die Basare quellen über von Lebensmitteln und Waren. Auf dem Tourismus ruhen große Hoffnungen. Baumwolle soll nicht nur exportiert, sondern zukünftig auch selbst verarbeitet werden. Niederlassungen deutscher Firmen wie  MAN (Lastwagen) und Knauf (Gips) passieren wir. Am Ausbau der Infrastruktur wird kräftig gearbeitet. Das Handy-Netz funktioniert exzellent. Autobahnen werden von koreanischen und deutschen Firmen gebaut. Allein, es bleibt auch noch sehr viel zu tun.

Eine ‚lupenreine‘ Demokratie kann man Usbekistan gewiss nicht nennen.

Zum politischen System erfahren wir nicht viel, man muss schon mehr als einmal nachfragen. Eine ‚lupenreine‘ Demokratie kann man Usbekistan gewiss nicht nennen. Vier Parteien soll es im Land geben. Das Fotografieren des Parlaments aus der Nähe ist unerwünscht. Auf die Trennung von Staat und Religion wird großen Wert gelegt. Augenfällig ist die Omnipräsenz von oder man kann auch sagen: der Personenkult um Präsident Islam Karimov. Mit der gezielten Verehrung antiker Volkshelden wird auch das eigene Bild mit unter den Glorienschein gehoben.

Die in der Zeitung erschienene Usbekistan-Sonderseite im PDF-Format.

Über die ökologische Katastrophe am Aralsee wird offen gesprochen. Der größte Binnensee der Welt, der die nördlichen Bereiche des Landes streift, trocknet aus und droht schon in wenigen Jahren ganz von der Landkarte zu verschwinden. Kommunen, die vor wenigen Jahren noch Uferstädte waren, liegen heute 400 Kilometer vom See entfernt. Diese Verlandung hat verheerende Auswirkungen auf das Klima Usbekistans, auf die verzweigten Bewässerungssysteme und lässt die Landschaft immer mehr versalzen.

Was haben wir noch gesehen und erlebt? Unendlich viel. Und selbst bei üppig bemessenen Zeilen nicht ansatzweise zu beschreiben. Islamische Kultur und Bauwerke, wohin das Auge reicht. Medressen (als Hochschulen zu verstehen),  Mausoleen und Moscheen, eine erhabener als die andere. In Usbekistan gibt es nur noch vier aktive Koranschulen, zwei davon haben wir besichtigt. Unzählige andere sind inaktiv. Die Heldenverehrung für den im 14. Jahrhundert lebenden Herrscher Amir Timur, auch Tamerlan genannt, nimmt geradezu berauschende Züge an. In seinem Geburtsort Sharisabs zu heiraten ist der ultimative Hit! Timur baute mit blutrünstigen Zügen ein riesiges Reich auf, das vom Bosporus bis nach Vorderchina reichte. Sein Enkel Ulugh Beg herrschte im 15. Jahrhundert ebenso als König und  sein Bau eines Observatoriums zeugt von einem astronomischen Gelehrten von Weltrang. Chiwa und Bukhara, wie Maulbronn zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörend, faszinierten ebenso wie Samarkand, zentraler Kreuzungsort zahlreicher Routen der Großen Seidenstraße.

Eine unglaubliche Fülle an neuen Eindrücken und kulturellen Erfahrungen gewonnen, Reifenpanne inklusive…

Mit der Reise nach Usbekistan haben wir eine unglaubliche Fülle an neuen Eindrücken und kulturellen Erfahrungen gewonnen, Reifenpanne inklusive. Es ist gewiss keine Urlaubs-, sondern eine wahrhafte Erlebnisreise. Vieles im Land mag gewöhnungsbedürftig sein. Und noch immer müssen da auch die Einreise- und Ausreiseformalitäten genannt werden. Aber eines ist unverkennbar: der starke Wille, das Land voranzubringen. Möge es Usbekistan gelingen, sich der Moderne zu öffnen und gleichzeitig dennoch seine stolzen und wertvollen Traditionen zu bewahren.

 

 

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