VfB-Trainer? „Momentan nicht“!

Enzgärten: Guido Buchwald über seine Fußballkarriere, den Stuttgarter Fehlstart und den Einsatz für die Familienherberge Lebensweg

Von Thomas Eier Erstellt: 31. August 2015, 00:00 Uhr
VfB-Trainer? „Momentan nicht“! VfB-Trainer? „Momentan nicht“!

Sportliche Erfolge und das Schicksal schwerstkranker Kinder: Die Brücke zwischen beiden Themen schlägt Guido Buchwald, Botschafter des Fußballs und Botschafter der Familienherberge Lebensweg. In der Reihe „Reif für die Leseinsel“ auf der Gartenschau kommt der Weltmeister an einer Frage nicht vorbei: Warum kann der VfB nicht gewinnen?

Mühlacker. Tags zuvor hatte der einstige Vorzeigeprofi im Stadion die 1:4-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt erlebt, am Sonntagmorgen nun kommt es bei der Veranstaltungsreihe unserer Zeitung zu einer Nachlese der besonderen Art: Verleger Hans-Ulrich Wetzel und Lokalredakteurin Carolin Becker, beide bekennende VfB-Fans, legen nach drei Niederlagen in drei Spielen den Finger in die Wunde. „Ein absoluter Fehlstart“, gibt der prominente Gast, der zwischen 1983 und 1994 zwei Meistertitel mit den Roten eingefahren hat, ohne Umschweife zu. Buchwald, der als ehemaliger Japan-Legionär Kontakte des Stuttgarter Bundesligisten nach Südostasien knüpft und seinem alten Verein weiterhin eng verbunden ist, bemängelt die individuellen Fehler, die mangelhafte Chancenverwertung und das Fehlen von Führungsspielern, und angesichts von zehn Gegentoren in drei Partien sind nicht wenige der Meinung: Es fehlen im Kader genau solche Typen, wie Guido Buchwald einer ist. Bodenständig und frei von Allüren, zuverlässig und ehrlich, zielstrebig und aufs Wesentliche fokussiert: Mit diesen Eigenschaften punktet der 54-Jährige auch beim Gespräch auf der Leseinsel.

„Wie haben Sie es geschafft, so skandalfrei zu bleiben?“, fragt Carolin Becker den WM-Helden von 1990, und die Antwort liegt im Charakter: Der schwäbische Diego ist kein Maradona und kein Matthäus, er lebt mit der Familie noch immer in der alten Heimatregion bei Reutlingen, er macht seit 1989 Werbung für ein Mineralwasser aus Ensingen und hat grundsolide Ansichten. Ein unmoralisches Angebot der Bayern, lässt er durchblicken, habe er einst aus Stilgründen abgelehnt: Weil eine Ausstiegsklausel beim VfB nur für internationale Vereine galt, habe Bayern-Manager Hoeneß vorgeschlagen, ihn, Guido Buchwald, über ein Scheingeschäft mit Inter Mailand über Umwege nach München zu lotsen. „Ich habe die Gespräche sofort abgebrochen“, sagt Buchwald unter dem Beifall der gut 100 Besucher, die sich trotz Sommerhitze die Begegnung mit einem sportlichen Idol nicht entgehen lassen.

Den heutigen Profis gönnt er ihre gestiegenen Gehälter, erinnert sie aber auch an ihre soziale Verantwortung. Jeder Spieler sollte sich seiner Privilegien bewusst sein, sagt der gelernte Elektroninstallateur Buchwald, der gemeinsam mit Sänger Jay Alexander Pate steht für das Projekt Familienherberge Lebensweg, das Familien mit schwerstkranken Kindern eine Auszeit vom Alltag ermöglichen will. Wem es besser geht, sollte etwas zurückgeben, lautet Buchwalds Credo, und die anwesende Führungsgilde des Fördervereins kann sich sicher sein, den richtigen Werbeträger gefunden zu haben. „Die Schicksale der Familien gehen einem schon nahe.“

Der Familienmensch Guido Buchwald verdient heute sein Geld als Teilhaber einer Firma für Bürosysteme, im Sportmarketing und als Betreiber einer Tennishalle, doch nach wie vor spielt das runde Leder eine große Rolle, und das nicht nur beim Besuch des Ensinger Fußballcamps. Er plädiert für eigene Talente statt mittelmäßiger Einkäufe, er analysiert die Spiele seines VfB von der Tribüne aus, und obwohl er einen Trainierschein hat, wollte er mit Alexander Zorniger nicht tauschen. Wäre VfB-Trainer nichts für Sie, Herr Buchwald? „Nein, momentan nicht.“

SV Wannweil, TSV Pliezhausen, Stuttgarter Kickers, VfB Stuttgart und, nach der Zeit bei den Urawa Red Diamonds, der Abschluss der aktiven Laufbahn beim Karlsruher SC: Kaum ein anderer Fußballprofi aus dem Ländle hätte es geschafft, in seiner Laufbahn gleich bei drei baden-württembergischen Clubs anzuheuern, die sich nicht eben grün sind, und dennoch ein Sympathieträger für alle Fans zu bleiben. Zurückbehalten hat er seinen Ruf als Abwehrstratege mit Auge und Technik und ein lädiertes linkes Knie, das nach dem Jogging oder dem Spiel in der VfB-Traditionself regelmäßig Probleme macht. „Der Ehrgeiz ist da, aber die Beine machen nicht immer mit“, schmunzelt der Schütze des 2:1-Siegtores 1992 gegen Leverkusen, das den VfB erneut zum Meister machte.

„Es stehen immer noch zwei Tore“, sagt der Ex-Profi mit Trainerlizenz über die vermeintlich rasante Entwicklung im Fußball, wo vor allem die Passfolge schneller geworden sei. Entscheidend sei neben der Taktik weiterhin die Qualität der Einzelspieler, und ein Verein brauche, um erfolgreich zu sein, eine eigene Philosophie und Spieler, die ins System passten. Die VfB-Oberen können sich solche und ähnliche Ratschläge ins Stammbuch schreiben, aber eines ist auch klar: Typen wie Diego Buchwald wachsen nicht auf den Bäumen.

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