Etwas mitnehmen von der Gartenschau

Stadt verkauft und versteigert Teile der Ausstattung – Bemalte Mühlräder sind ein Renner – Bürgermeister gibt den Auktionator

Von Thomas Eier Erstellt: 16. Oktober 2015, 00:00 Uhr
Etwas mitnehmen von der Gartenschau Etwas mitnehmen von der Gartenschau

Die einen wollen sich ein Schnäppchen sichern, die anderen ein Erinnerungsstück ergattern: Relikte aus den Enzgärten hat die Stadt am Donnerstag in der Heinzelmann-Halle verkauft und versteigert. Heiß begehrt: die bunten Mühlräder, die während der Gartenschau die Ortseingänge schmückten.

Mühlacker. Vom bemalten Mühlrad bis zum schlichten Maschendrahtzaun, vom Dienstfahrrad der Helfer bis zum Hochbeet aus Metall – beim Ausverkauf entdecken Liebhaber der Gartenschau etliche Raritäten, die an 128 Tagen zur Standardausstattung in den Enzgärten gehörten. Das Mobiliar aus dem Recyclinggarten kommt ebenso unter den Hammer wie ein Stapel Hinweisschilder, die einst ortskundige Besucher auf das Gelände lotsten, oder eine Auswahl von Fahnen, die auf das Großereignis hinwiesen.

Stammgäste und ehemalige Helfer sehen den Ausverkauf mit gemischten Gefühlen. „Es ist schon mit sehr großer Wehmut verbunden“, gesteht Uli Gaissert, der zum Gartenschau-Team gehörte und die Besucher am Eingang begrüßte. „In den 66 Jahren, die ich in Mühlacker wohne, war das die schönste Zeit überhaupt“, schwärmt er von der besonderen Atmosphäre und der Ausstrahlung der Gartenschau, die nach seinen Erfahrungen „99,9 Prozent“ der Gäste begeistert habe. „Davon muss man etwas mitnehmen“, sagt Gaissert, der sich ein paar Mühlräder sichert. „Und man muss dabei sein, wenn es weitergeht“, kündigte der einstige Helfer seine Teilnahme an der Gründungsversammlung des Fördervereins am selben Abend an.

Der neunjährige Aaron, inzwischen in der vierten Klasse der Ulrich-von-Dürrmenz-Schule, ist mit seiner Mutter und seiner Schwester ebenfalls mit der festen Absicht gekommen, ein Stück Gartenschau mit nach Hause zu nehmen – und zwar genau jenes Mühlrad, das er im Vorfeld als Schüler der Klasse 3b selbst bemalt hat. Im Gegensatz zu anderen jungen Künstlern, die ihr Werk vergeblich suchen, hat Aaron Glück und entdeckt in der Riesenauswahl tatsächlich sein Schmuckstück.

Etwa 1000 Mühlräder werden angeboten, wobei sich die Stadt selbst bereits 200 für Dekozwecke zur Seite gelegt hat. Bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart um 14 Uhr stehen die ersten Kunden vor dem Zaun und ziehen Vergleiche mit einstigen Schlachten beim Discounter um Computer und Kinderkleidung. Ganz so wild geht es dann allerdings doch nicht zu, wenngleich ein Großteil der Mühlräder, die für Farbtupfer an markanten Stellen im Stadtbild gesorgt hatten, rasch vergriffen ist. Fünf Euro pro Stück, fünf für 20 Euro und zehn für 40 – angesichts der Materialkosten und des ideellen Werts ein echter Schnäppchenpreis, wie Martina Rapp und Petra Herrling von der Stadtverwaltung meinen.

„Verdrehfeste“ Gartenschläuche, Kunstrasen, Maschendrahtzaun, Pflanzkübel mit und ohne Pflanzen – alles muss raus! Die Fuchsien groß kosten 20 Euro, die kleineren zehn Euro, und Wasserschalen sind für 15 und 20 Euro zu haben. Wer meint, er werde trotz Dauertiefstpreisen übervorteilt, darf sich mit dem Gedanken trösten, dass das Geld zurück in die Enzgärten fließt. Der Erlös, verkündet bei der Versteigerung größerer Raritäten Bürgermeister Winfried Abicht, solle für Folgeprojekte auf dem Gelände ausgegeben werden.

Reflektierende Schilder, die während der Gartenschau das Straßenbild bereicherten, kommen an diesem Nachmittag gleich stapelweise unter den Hammer, wenngleich sie wegen des großen Vorrats immer billiger werden. Zwei Stück für zehn Euro: In der Anschaffung waren sie mit Sicherheit um ein Vielfaches teurer. Anschließend macht sich Auktionator Abicht daran, die großflächigen Fahnen an den Mann und die Frau zu bringen, wobei die Resonanz auf den Versteigerungstermin deutlich schwächer ausfällt als jene beim Verkaufsstart der Mühlräder, die zum Festpreis angeboten wurden. Fünf Fahnen für zehn Euro nennt Abicht eine Verhandlungsbasis, doch die Zahl der Interessenten, die ihr Anwesen mit Gartenschau-Fahnen schmücken wollen, hält sich in Grenzen. Wer sich dafür interessiere, witzelt Uwe Pfisterer von den Stadtwerken, der als Privatmann um Souvenirs mitbietet, könne beim Bürgermeister gleich eine Baugenehmigung für die Fahnenmasten beantragen.

Lustig und locker geht es zu, auch wenn nicht alle Reliquien aus den Enzgärten gleich begehrt sind. Die bequemen und vielseitig verwendbaren Sitzsäcke gehen gut, doch von zwei Fahrrädern, auf denen die Helfer übers Gelände patrouillierten, findet nur eines eine Käuferin. Für das zweite Rad, kündigt Abicht mangels Interesse an, werde bei anderer Gelegenheit noch einmal ein Versuch gestartet. Schließlich möchte die Stadt zwar die Chance für Schnäppchen bieten, aber Dumpingpreise sind trotzdem nicht drin.

Thomas Eier

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