Bahnhof gibt der Stadt einen Namen

Enzgärten: Bürgerprojekt „Mühlacker sehen“ macht Eisenbahngeschichte lebendig

Von Ramona Deeg Erstellt: 22. Mai 2015, 00:00 Uhr
Bahnhof gibt der Stadt einen Namen Eine Grenze, zwei Bahnhöfe, drei Uhrzeiten: Die Fakten sind interessant aufbereitet. Foto: Deeg

Mühlacker. Für gewöhnlich ist ein Bahnhof nach der Stadt benannt worden, bei der er entstanden ist. In Mühlacker war der Fall ein anderer: Dort hat Mühlacker, als es zur Stadt wurde, den Namen des Bahnhofs angenommen. Davon berichtet Matthias Lieb bei der offiziellen Einweihung der Infotafeln zur Eisenbahngeschichte, die im Rahmen des Bürgerprojekts „Mühlacker sehen“ entstanden sind.

Auf drei großen und zwei kleinen Tafeln zwischen Bahnhof und Drehscheibe haben die Ehrenamtlichen des Bürgerprojekts die Geschichte Mühlackers anhand der Historie der Eisenbahn erläutert. Für eine Geschichte, die man sich in Mühlacker gerne erzählt, hat der Verkehrsclub-Vorsitzende und Bahn-Experte Matthias Lieb allerdings keinen Beleg gefunden: Ob die Dürrmenzer sich damals, als der Bahnhof gebaut worden ist, wirklich zu fein dafür gewesen sind, ihren Namen für so etwas Neumodisches wie einen Bahnhof herzugeben, bleibt ungeklärt.

Schon wenige Jahre später war allerdings klar: Ein Bahnhof sorgt für wirtschaftlichen Aufschwung. So wurde das Ziegelwerk in Mühlacker gebaut, die Firma Händle nutzte den Bahnhof, und mit dem Dürrmenz-Mühlacker Boten wurde auch eine Zeitung gegründet. Bis heute ist der Mühlacker Bahnhof ein Dreh- und Angelpunkt für den Nahverkehr, wie Matthias Lieb hervorhebt. Die Busfahrzeiten seien mit den Bahnzeiten abgestimmt, so dass – wenn alles planmäßig verläuft – keine allzu langen Wartezeiten entstehen.

Nach dem Löffelstelzweg und dem historischen Rundgang durch Dürrmenz sind die Eisenbahn-Informationen der dritte Teil des Bürgerprojekts „Mühlacker sehen“, der am Donnerstagabend offiziell seiner Bestimmung übergeben worden ist. „Das letzte Wort hatte immer Marlis Lippik“, erklärt Ewald Scheytt vom Verschönerungsverein. Die Stadtarchivarin habe die Tafeln als letzte Instanz inhaltlich korrekturgelesen. Scheytt bedankt sich im Namen aller Projektbeteiligter bei Oberbürgermeister Frank Schneider, der eine der großen Tafeln am Bahnhof gespendet hat. Auch der Verkehrsclub Deutschland hat sich eingebracht und die zweite große Tafel am Bahnhof finanziert. Die Modelleisenbahner, an deren Vereinsheim eine kleinere Infotafel hängt, sind ebenfalls als Sponsor in Erscheinung getreten. Denn in dem Gebäude, in dem die Modelleisenbahner ihre Anlage stehen haben, war früher das Elektrizitätswerk des Badischen Bahnhofs untergebracht, wie Lieb erklärt.

Der Bahnfachmann Matthias Lieb wird auf der Gartenschau am Mittwoch, 24. Juni, um 19 Uhr nochmals ausführlich über das Thema Bahn und Mühlacker referieren.

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