Stutzen macht mich stutzig

Erstellt: 11. Januar 2018, 00:00 Uhr
Stutzen macht mich stutzig Stutzen macht mich stutzig

„Das Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß.“ Damit spricht mir unser alter Goethe – bekannt als Dichterfürst und früher Fachmann für Hochwasserschutz – direkt aus dem Herzen, nachdem mein nasses Element zuletzt wieder als Schreckgespenst Schlagzeilen gemacht hat. Nur weil es sich als Naturgewalt nicht immer so ruhig und beschaulich verhält, wie man es gewohnt ist und sich allenthalben wünscht.

Ich persönlich bleibe gelassen und halte mich, wenn sich meine Enz bei steigendem Pegel in eine reißende Dreckbrühe verwandelt, mit meinen Artgenossen bevorzugt in den ruhigeren Randlagen am Ufer auf. Das empfiehlt sich schon deshalb, um nicht von entwurzelten Baumstämmen, Brennholzscheiten oder Mülltüten mitgerissen zu werden. Ihr glaubt es nicht, was da alles in kürzester Zeit vorbeischippert …

Wenn ihr euch wie ich, der ich mein Revier gerne sauber halte, fürs Thema Treibgut interessiert, braucht ihr jetzt bloß an der Enz spazieren zu gehen. Man könnte meinen, manche Leute stapeln, sobald es regnet, ihren Plastik- und sonstigen Abfall am Ufer, um ihn möglichst elegant loszuwerden. Und anschließend hängt das ganze Zeug dann an der Böschung und in den Zweigen – und schuld ist wer? Das böse Wasser.

Sorry, wenn ich da – schließlich ist das Wasser mein Metier – ein bisschen angefressen reagiere, immerhin gab’s den Fluss lange vor McDonald’s und Chio Chips und dem dazugehörigen Verpackungsmüll. Und wenn ich und meine Kollegen dieser Tage Lust auf eine Partie Fußball haben, besteht kein Mangel an Spielgeräten. Nur weil die kleinen Rotznasen nicht richtig zielen können oder ihr Zeug nicht aufräumen und die Gummibälle dann spätestens bei Hochwasser massenweise in der Enz landen. Einem anderen Kicker hat die Flut offenbar einen Stutzen von den Fußballerwaden gezogen, jedenfalls hab’ ich beim Stöbern einen im Enzvorland gefunden. Wenigstens ist das gute Stück jetzt gründlich gewaschen, und wer das rote Trikotteil suchen sollte, kann sich gerne bei mir melden. Rot? Wer spielt denn noch mal in Rot? Enzberg nicht, Niefern nicht … Egal!

Bis der ganze Dreck wieder weg ist, fließt noch viel Wasser die Enz runter. Oder aber, es kommt das nächste Hochwasser und nimmt den Müll mit zur Verwandtschaft nach Roßwag, wo es
bekanntlich keine Gummibälle gibt.

Schöne Grüße an alle flussabwärts,

euer

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Flussabwärts

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